DRITTER AKT
Kanzlei des Gefängnisdirektors
Entreakt
ALFRED
aus seiner Zelle
Täubchen, das entflattert ist,
stille mein Verlangen…
FROSCH
Ruhe!
Ru-Ruhe!
Pst. Also das Singen ist dienstlich verboten!
Das ist ein fideles Gefängnis.
Ich bin zwar erst seit ein paar Tagen mit dem
Herrn Direktor hierher versetzt worden,
aber es ist schon jetzt ungeheuer fidel.
Und Ja, der Slibowitz,
der ist hier auch sehr gut
und kräftig.
ALFRED
Täubchen, holdes Täubchen mein,
FROSCH
Ruhe!
Hab ich gesagt. Sonst fliegen Sie hier hinaus.
Ah, jetzt ist er ruhig, das Zeiserl.
Das muss belohnt werden mit einem Slibowiz.
Mit einem kräftigen.
Das ist ein fideles Gefängnis.
ab
FRANK
erscheint schwankend
So, so, da fühlen wir uns zu Hause.
Nix zu Hause. Eher ein Vogelhaus.
Ah. Oh. Ui. So ein Kopf muss ja einem weh tun.
Es war beschwingend, der Wein.
pfeift
… ja, das Pfeifen geht ja noch.
Oh, diese Migräsen, da hilf nur noch einen Tee.
Wo ist die… Kanne ja… Da sind… Da zwei,
Oh, bla, das ist ja… Doch bloß eine, was
Ach ja, war das schön.
Ja, du Ida, komm her. Und Olga,
ihr gefallt mir beide, sehr…
Ein Kavalier nickt und schweigt.
Oh, war das schön.
singt
Die Majestät wird anerkannt,
anerkannt rings im Land;
jubelnd wird Champagner
der Erste sie genannt!
Es lebe Champagner der Ers…
No, besser wie nix.
Ja, es war ja auch sehr spät.
War besser gewesen, früh zu Bett.
Und die Füße, die flattern.
Der Schreibtisch wackelt auch?
Nein, das bin ich selber.
Ein Schreibtischen in Ehren
kann ein Schläfchen nicht verwehren…
War gut, ne? War ja gut.
Hier ist die Zeitung, die müde Zeitung.
Zeitung von übermorgen. Guten Morgen,
Übermorgenzeitung.
Müde bin ich. Geh' zu Ruh, mache Zeitung zu.
Er setzt sich; schläft ein.
FROSCH
wieder da
Ah, der Herr Direktor ist entschlafen.
A-aber jetzt muss ich ihn leider wecken,
damit er seine Amtsgeschäfte aufnehmen kann.
Herr Direktor? Herr Direktor?
Amtsdiener Frosch meldet sich zum Rapport.
FRANK
auffahrend
Ja, ja, ja.Was gibt's denn?
FROSCH
Der Gefangene von Nummer zwölf,
ein gewisser Eisenstein
hat einen Beistand verlangt.
FRANK
Einen was?
FROSCH
Einen Steckreimband.
FRANK
Was? Einen was?
FROSCH
Einen Rechtsbeistand.
Das ist ein Blödes Wort.
Einen, einen Advokaten hat er verlangt.
Bitte, Außerdem sind noch zwei Damen hier,
die einen Chevalier Kagaranz sprechen wollten.
FRANK
Was?
FROSCH
Ja, da, da sind sie.
ADELE
Der Herr Chevalier wundern sich gewiss
über unseren Besuch.
FRANK
Frosch, laß uns allein.
FROSCH
Bitte sehr. Das ist ein fideles Gefängnis.
ADELE
Äh, nämlich, Herr Doktor Falke hat uns gesagt,
wo Sie zu finden seien.
IDA
Meine Schwester hat Ihnen nämlich
ein Geständnis zu machen.
ADELE
Mhm…
FRANK
Mir?
IDA
Meine Schwester ist nämlich
noch gar keine Künstlerin.
ADELE
Mhm…
IDA
Nicht einmal eine angehende.
FRANK
Ah?
IDA
Und da könnten Sie
als vornehmer Herr ihr vielleicht behilflich sein.
FRANK
Ich?
ADELE
Ja, Sie könnten mich fürs Theater ausbilden lassen.
FRANK
Sie? Ja, haben Sie denn Talent?
ADELE
Ob ich Talent hab?
Spiel' ich die Unschuld vom Lande,
natürlich im kurzen Gewande,
so hüpf' ich ganz neckisch umher,
als ob ich ein Eichkatzerl wär';
und kommt ein saub'rer junger Mann,
so blinzle ich lächelnd ihn an,
durch die Finger zwar nur,
als ein Kind der Natur,
und zupf' an meinem Schürzenband –
so fängt man Spatzen auf dem Land.
Und folgt er mir, wohin ich geh',
sag' ich naiv: „Sie Schlimmer, Sie“,
setzt' mich zu ihm ins Gras sodann
und fang auf d'Letzt zu singen an:
Lalalalalala.
Wenn Sie das geseh'n,
müssen Sie gesteh'n,
es wär' der Schaden nicht gering,
wenn mit dem Talent
mit dem Talent
ich nicht zum Theater ging!
Spiel' ich eine Königin,
schreit' ich majestätisch hin,
nicke hier und nicke da,
ja ganz, ja, in meiner Gloria!
Alles macht voll Ehrfurcht mir Spalier;
lauscht den Tönen meines Sangs,
lächelnd ich das Reich und Volk regier',
Königin par excellence!
Lalalalala!
IDA
die Trompete nachahmend
Tratatatatata …
FRANK
die Trommel nachahmend
Remm, pemm, plemm, prrr …
ADELE
Wenn Sie das geseh'n,
werden Sie gesteh'n,
es wär' der Schaden nicht gering,
wenn mit dem Talent
mit dem Talent
ich nicht zum Theater ging.
Spiel' ich 'ne Dame von Paris, ach!
die Gattin eines Herrn Marquis, ach!
da kommt ein junger Graf ins Haus, ach!
der geht auf meine Tugend aus, ach!
Zwei Akt' hindurch geb' ich nicht nach,
doch ach, im dritten werd' ich schwach;
da öffnet plötzlich sich die Tür,
o weh, mein Mann, was wird aus mir, ach!
„Verzeihung!“ flöt' ich, er verzeiht, ach,
zum Schlußtableau, da weinen d'Leut; ach!
FROSCH
kommt herein
Herr Direktor?
FRANK
Ja, was ist?
FROSCH
Ein Marquis Renard will Sie sprechen.
ADELE
Mein Gott, der Herr von Eisenstein!
FRANK
Äh, für die Damen, rasch auf Nummer dreizehn.
FROSCH
Werden Sie eingesperrt?
FRANK
Nein.Ja.Nein.
FROSCH
Nein?
FRANK
Mach mit ihnen, was du willst.
FROSCH
Gleich gesagt, Herr Direktor.
Also kommts, Haserln.
Das ist ein fideles Gefängnis.
begleitet Ida und Adele hinaus
FRANK
Der Marquis Renard? Oje.
Na, die Sache wird mit einem ungeheuren Blamage
für mich enden.
EISENSTEIN
tritt ein
Ja.Ja.Ja, ja sag mal,
was machst du denn hier, Chevalier?
Haben sie dich wegen nächtlicher Ruhestörung
arretiert?
FRANK
Na was? Man hat mich nicht arretiert,
und ich bin auch kein Chevalier.
Ich heiße Frank
und bin der neue Gefängnisdirektor.
EISENSTEIN
Du, das trifft sich famos und großartig. haha!
Ich bin nämlich auch kein Marquis.
FRANK
Was?
EISENSTEIN
Ich bin ein gewisser Eisenstein
und komme,
meine achttägige Arreststrafe hier
anzutreten.
FRANK
Hahahaha! Du, ich glaub dir alles,
aber dass du Eisenstein bist,
das glaube ich dir nicht.
EISENSTEIN
So?
FRANK
Das kann ich dir sogar beweisen.
EISENSTEIN
Ha, ha, ha, Dass ich nicht Eisenstein bin?
Nu, da bin ich aber schon
sehr, sehr neugierig.
FRANK
Ich habe Eisenstein gestern Abend
persönlich verhört. Ich -
EISENSTEIN
Aber geh. Wo denn?
FRANK
Na, in seiner Wohnung.
EISENSTEIN
Was du nicht sagst. War er denn zu Hause?
FRANK
Ja, er saß sehr gemütlich im Schlafrock
mit seiner Frau am Kanapee.
EISENSTEIN
Mit seiner… mit meiner Frau?
FRANK
Nein, mit seiner Frau.
EISENSTEIN
Aber seine Frau ist ja meine Frau.
FRANK
Na, ich hab gar nicht gewusst,
dass ihr zwei eine Frau habt.
EISENSTEIN
Und wo ist dieser Herr von Eisenstein jetzt?
FRANK
Er sitzt auf Nummero 12.
EISENSTEIN
Ich muss ihn sofort sehen.
FROSCH
kommt herein
Herr Direktor, Herr Direktor…
FRANK
Ja was?
FROSCH
Jetzt ist schon wieder eine Dame da.
FRANK
Eine Dame?
FROSCH
Jawohl.
Sie ist zwar verschleiert,
aber der Stimme nach
scheint sie sehr hübsch zu sein.
Sie wollte nichts sagen,
drum habe ich sie ins Sprechzimmer geführt.
FRANK
Du führ mich doch hin.
FROSCH
Bitte, das ist ein fideles Gefängnis.
ab
EISENSTEIN
Ein anderer ist in meiner Wohnung als Eisenstein
arretiert worden.
Es ist zum Verrücktwerden.
FROSCH
führt Doktor Blind herein
Bitte hier zu warten, Herr Doktor Blind.
Ich hole den Herrn von Eisenstein.
ab
BLIND
W-was sagt der dumme Kerl?
Er holt Sie? Sie sind ja schon da-da-da.
EISENSTEIN
Ich bin nicht nur da-da-da,
ich bin auch do-do-dort.
BLIND
U-u-und warum haben Sie mich ru-ru-rufen lassen?
EISENSTEIN
Ich habe Sie gar nicht rufen lassen.
Halt, ich habe eine Idee.
BLIND
Oje.
EISENSTEIN
Ihren Rock brauche ich.
Ihre Perücke, Brille mit Aktentasche.
Sie armseliger Aktenwurm,
sonst ermorde ich Sie!
beide ab
FROSCH
führt Alfred herein
So, da ist der Herr von Eisenstein.
ALFRED
Es ist doch niemand zu sehen.
FROSCH
Was? Es ist der Kerl schon so blind,
dass man ihn gar nicht mehr sieht.
Das ist ein fideles Gefängnis.
ab
ALFRED
Also dieses Abenteuer fängt an,
mich zu langweilen.
Kein Mensch kümmert sich um mich.
ROSALINDE
tritt ein
Alfred.
ALFRED
Ja, Rosalinde.
Oh Namen-namen-lose Freude!
Rosalinde!
ROSALINDE
Schweigen Sie.
Mein Mann muss jeden Augenblick hier sein.
Er darf Sie hier nicht finden,
am wenigsten in seinem Schlafrock.
ALFRED
Ich habe mir einen Notar kommen lassen.
Der kann uns sicher helfen.
ROSALINDE
Einen Notar?
ALFRED
Ja.Ja, ja, da ist er ja schon.
EISENSTEIN
tritt in der Verkleidung als Doktor Blind ins Zimmer; für sich
Ha, sie ist bei ihm.
Nur Ruhe.
Ich muss erfahren, wie sie zueinander stehen.
ROSALINDE
für sich
Ich stehe voll Zagen –
ALFRED
für sich
Um Rat ihn zu fragen,
EISENSTEIN
für sich
Pack' ich ihn beim Kragen,
ROSALINDE
was wird er mich fragen?
ALFRED
muß alles ihm sagen!
EISENSTEIN
so würd' er nichts sagen;
ROSALINDE
Darf ich wohl es wagen,
ALFRED
Warum denn verzagen?
EISENSTEIN
möcht' nieder ihn schlagen,
ROSALINDE
ihm alles zu sagen?
ALFRED
Wir werden ihm klagen
EISENSTEIN
doch darf ich's nicht wagen,
ROSALINDE
Diese Situation
erheischt Diskretion!
ALFRED
die Situation:
Er hilft uns dann schon.
EISENSTEIN
darf nicht einmal droh'n
dem frechen Patron!
ROSALINDE
Diese Situation
erheischt Diskretion!
ALFRED
die Situation:
Er hilft uns dann schon.
EISENSTEIN
darf nicht einmal droh'n
dem frechen Patron!
zu Alfred
Jetzt bitte ich, die ganze Sache
mir haarklein zu erzählen,
nicht das Geringste zu verhehlen,
indes ich mir Notizen mache!
ROSALINDE
Der Fall ist eigentümlich,
wie Sie gleich werden seh'n.
ALFRED
Sogar verwickelt ziemlich,
das muß man eingesteh'n!
EISENSTEIN
Nun denn, so geben Sie zu Protokoll,
worin ich Sie verteid'gen soll!
ALFRED
Ein seltsam Abenteuer
ist gestern mir passiert:
man hat mich aus Versehen
hier in' Arrest geführt,
weil ich mit dieser Dame
ein wenig spät soupiert.
EISENSTEIN
Ein Glück, daß es so kam,
Sie handelten infam!
ALFRED
Was kommt denn Ihnen in den Sinn?
Sie soll'n mich ja verteid'gen.
EISENSTEIN
Verzeih'n Sie, wenn ich heftig bin;
der Gegenstand reißt so mich hin.
Ich wollt' Sie nicht beleid'gen, nein,
ich soll Sie ja verteid'gen!
ROSALINDE, ALFRED
Mein Herr Notar, das war fürwahr
sehr sonderbar! sehr sonderbar!
Nur ruhig Blut, denn solche Wut
macht sich fürwahr nicht gut!
macht sich nicht gut!
Gar nicht gut!
EISENSTEIN
für sich
Was ich erfahr', verwirrt fürwahr
mich ganz und gar!
D'rum ruhig Blut, ich muß die Wut
verbergen jetzt noch gut!
ja meine Wut
berg ich gut!
ROSALINDE
Das Ganze war ein Zufall,
nichts Übles ist passiert;
Doch würd' bekannt es werden,
wär' ich kompromittiert,
da sicher mich mein Gatte
für schuldig halten wird!
EISENSTEIN
Da hätt' er auch ganz recht:
Sie handelten sehr schlecht!
ROSALINDE
Was kommt denn Ihnen in den Sinn?
Sie soll'n mich ja verteid'gen!
EISENSTEIN
Verzeih'n Sie, wenn ich heftig bin,
der Gegenstand reißt so mich hin.
Ich wollt' Sie nicht be-beleid'gen, nein,
ich soll Sie ja verteid'gen!
ROSALINDE, ALFRED
Mein Herr Notar, das war fürwahr,
sehr sonderbar! sehr sonderbar!
Nur ruhig Blut, denn solche Wut
macht sich fürwahr nicht gut!
macht sich nicht gut!
Gar nicht gut!
EISENSTEIN
für sich
Was ich erfahr', verwirrt fürwahr
mich ganz und gar!
D'rum ruhig Blut, ich muß die Wut
verbergen jetzt noch gut!
ja meine Wut
berg ich gut!
Ich bitt' mir alles zu gesteh'n
und nichts zu übergeh'n.
Ist kein Detail mehr überseh'n,
ist weiter nichts gescheh'n?
ALFRED
Was sollen diese Fragen hier?
ROSALINDE
Mein Herr!
EISENSTEIN
Ich bitte zu gesteh'n,
ist weiter nichts gescheh'n?
ROSALINDE
Mein Herr, was denken Sie von mir?
Was sollen diese Fragen hier?
EISENSTEIN
Ich frag' Sie aufs Gewissen,
Ist weiter nichts gescheh'n?
Denn alles muß ich wissen, alles muß ich wissen!
ROSALINDE, ALFRED
Mein Herr! Mein Herr! Mein Herr!
ROSALINDE
Es scheint fast, als empfinden Sie
für meinen Gatten Sympathie,
drum muß ich Ihnen sagen:
Ein Ungeheuer ist mein Mann,
und niemals ich vergeben kann
sein treulos schändliches Betragen.
Er hat die vor'ge ganze Nacht,
mit jungen Damen zugebracht, ach!
lebt herrlich und in Freuden!
in Freuden!
Doch schenk' ich's nicht
dem Bösewicht,
und kommt er wieder mir nach Haus,
kratz' ich ihm erst die Augen aus
und dann lass' ich mich scheiden!
kratz' ich ihm die Augen aus
und dann lass' ich mich scheiden!
ROSALINDE, ALFRED, EISENSTEIN
Ich/Sie kratz'/kratzt ihm/mir erst die Augen aus,
ALFRED, EISENSTEIN
und dann läßt ich sie sich scheiden!
dann läßt ich sie sich scheiden!
ROSALINDE
und dann, und dann
lass' ich mich scheiden!
kratz' ich ihm die Augen aus
und dann lass' ich mich scheiden!
ALFRED, EISENSTEIN
Sie kratzt ihm/mir erst die Augen aus,
und dann, und dann läßt ich sie sich scheiden!
ALFRED
Da Sie alles wissen nun,
sagen Sie, was soll man tun?
Geben Sie uns Mittel an,
wie man diesem Ehemann
eine Nase drehen kann?
EISENSTEIN
Das ist zu viel!
ALFRED
Was soll das sein?
EISENSTEIN
Welch schändlich' Spiel!
ROSALINDE, ALFRED
Wa soll das sein?
Mein Herr, wozu dies Schrei'n?
EISENSTEIN
sich demaskierend
Erzittert, ihr Verbrecher!
Die Strafe bricht herein,
hier stehe ich als Rächer –
ich selbst bin Eisenstein!
ROSALINDE, ALFRED
Er selbst ist Eisenstein!
Er selbst ist Eisenstein!
EISENSTEIN
Ja!, Ja!, Ja, Ich bin's, den ihr betrogen,
ja, ich bin's, den ihr belogen!
Aber rächen will ich mich
jetzt fürchterlich!
ROSALINDE
Hat er selbst mich doch betrogen,
treulos hat er mich belogen,
und nun tobt er, rächen will er sich!
ALFRED
Erst hat sie der Mann betrogen,
dann hat ihn die Frau belogen,
folglich hebt ja die Geschichte sich!
EISENSTEIN
Ja, ich bin's, den ihr betrogen,
ja, ich bin's, den ihr belogen!
Aber rächen, rächen will ich mich
ROSALINDE
Kein Verzeih'n,
ALFRED, EISENSTEIN
Der Eisenstein,
ROSALINDE
Kein Bereu'n!
ALFRED, EISENSTEIN
Der Eisenstein,
ROSALINDE
Ich allein will Rache schrei'n, Rache!
ALFRED, EISENSTEIN
will Rache schrei'n, Rache!
ROSALINDE
Kein Verzeih'n, Herr Eisenstein,
ALFRED, EISENSTEIN
Der Eisenstein,
ROSALINDE
kein Bereu'n, Herr Eisenstein,
ALFRED, EISENSTEIN
Der Eisenstein,
ROSALINDE
Rache schreie ich!
ALFRED, EISENSTEIN
will Rache fürchterlich!
ROSALINDE
Rache will ich, Rache will ich!
Rarararara Rache will ich!
ALFRED, EISENSTEIN
Rache will ich, Rache will ich!
Rarararara Rache will ich!
ROSALINDE
Also du willst mir Vorwürfe machen?
Du scheinst nicht zu wissen,
wieviel es geschlagen hat?
Sie zieht Eisensteins Uhr hervor.
EISENSTEIN
Was? Du warst meine angebetete Ungarin?
ROSALINDE
Ja, ja!
EISENSTEIN
Oh, ich Trottel.
FRANK
eintretend
Ah, wie ich sehe, hat es hier schon
eine Erkennungsszene gegeben!
Na, da kann ich dich ja, lieber Marquis,
beruhigt auf Nummer zwölf.
EISENSTEIN
Nein, nein, nein.
Dort soll der Herr Kammersänger brummen.
ALFRED
Was ich?
EISENSTEIN
Wer will mir beweisen, dass ich Eisenstein bin?
FROSCH
Herr Direktor, Herr Direktor!
Jetzt wartet eine ganze Ballgesellschaft draußen.
FRANK
Eine ganze Ballgesellschaft?
Na, lass sie herein.
FROSCH
Bitte sehr. Das ist ein fideles Stück.
Die Gesellschaft vom Fest tritt ein.
ALLE
O Fledermaus, o Fledermaus,
laß endlich jetzt dein Opfer aus!
Der arme Mann, der arme Mann
ist gar zu übel dran!
EISENSTEIN
Woll'n Sie mir erklären nicht,
was soll bedeuten die Geschicht'?
Noch werd' ich nicht klug daraus.
FALKE
So rächt sich die Fledermaus!
ALLE
So rächt sich die Fledermaus!
O Fledermaus, o Fledermaus,
laß endlich jetzt dein Opfer aus!
Der arme Mann, der arme Mann
ist gar zu übel dran!
EISENSTEIN
So erklärt mir doch, ich bitt'!
FALKE
Alles, was dir Sorgen macht,
war ein Scherz, von mir erdacht!
ALLE
Und wir alle spielten mit.
EISENSTEIN
Wie, der Prinz?
ORLOFSKY
Ich spielte mit!
EISENSTEIN
Und Adele?
ADELE
Ich spielte mit!
EISENSTEIN
zu Alfred
Ihr Souper?
ALFRED
War nichts als Mythe!
EISENSTEIN
Doch mein Schlafrock?
ROSALINDE
Requisite!
EISENSTEIN
Wonne, Seligkeit, Entzücken!
O, wie macht dies Wort mich froh!
Gattin, laß ans Herz dich drücken!
ALFRED
für sich
War auch nicht gleich alles so,
wir wollen ihm den Glauben,
der ihn beglückt, nicht rauben.
ADELE
Nun, und was geschieht mit mir?
FRANK
Bleiben im Arrest Sie hier,
will ich Sie als Freund und Vater
bilden lassen für's Theater.
ORLOFSKY
Nein, ich laß als Kunstmäzen
solch Talent mir nicht entgeh'n;
's ist mal bei mir so Sitte,
chacun à son goût!
ALLE
's ist mal bei ihm so Sitte,
chacun à son goût!
EISENSTEIN
Rosalinde, verzeih deinem treuen Gabriel.
Du siehst, nur der Champagner war an allem Schuld!
ROSALINDE
Champagner hat's verschuldet,
tralalalalalala,
Was wir heut' erduldet,
lalalalalalalala.
Doch gab er mir auch Wahrheit
und zeigt in voller Klarheit
mir meines Gatten Treue
und führte ihn zur Reue.
Stimmt ein, stimmt ein
und huldigt im Vereine,
dem König aller Weine!
dem König aller Weine!
ALLE
Stimmt ein! Stimmt ein! Stimmt ein!
ROSALINDE
Die Majestät wird anerkannt,
anerkannt rings im Land,
jubelnd wird Champagner
der Erste sie genannt!
ALLE
Die Majestät wird anerkannt,
anerkannt rings im Land,
jubelnd wird Champagner
der Erste sie genannt!