DRITTER AKT
Ein Hof vor dem Palast des Bassa Selim. Es ist Mitternacht.
Nr. 15 - Arie
BELMONTE
Wenn der Freude Tränen fließen,
Lächelt Liebe dem Geliebten hold.
Von den Wangen sie zu küssen,
Ist der Liebe schönster, größter Sold.
Ist der Liebe schönster, größter Sold.
Ach, Konstanze, dich zu sehen,
Dich voll Wonne, voll Entzücken,
An mein treues Herz zu drücken,
Lohnt fürwahr nicht Kron’ und Pracht,
Lohnt fürwahr nicht Kron’ und Pracht,
Lohnt nicht Kron’ und Pracht,
Lohnt fürwahr nicht Kron’ und Pracht.,
Wenn der Freude Tränen fließen,
Lächelt Liebe dem Geliebten hold.
Von den Wangen sie zu küssen,
Ist der Liebe schönster, größter Sold.
Ist der Liebe schönster, größter Sold.
Ach, Konstanze, dich zu sehen,
Dich voll Wonne, voll Entzücken,
An mein treues Herz zu drücken,
Lohnt fürwahr nicht Kron’ und Pracht,
Lohnt fürwahr, ja nicht Kron’ und Pracht.
Daß wir uns niemals wiederfinden!
So dürfen wir nicht erst empfinden,
Welchen Schmerz die Trennung macht!
Daß wir uns niemals wiederfinden!
So dürfen wir nicht erst empfinden,
Welchen Schmerz, welchen Schmerz,
die Trennung, die Trennung macht,
Welchen Schmerz die Trennung macht!
Welchen Schmerz die Trennung macht!
die Trennung macht,
die Trennung macht!
(Pedrillo tritt ein.)
BELMONTE
Pedrillo! Is alles fertig?
PEDRILLO
Ja, alles.
BELMONTE
Nun, so laß sie uns befreien.
Wo ist die Leiter, Pedrillo?
PEDRILLO
Nicht so hitzig.
Erst muß ich das Signal geben.
Geh’n Sie dort an die Ecke
und passen Sie auf, daß wir nicht überrascht werden.
So, nun mal tief Luft holen.
Also denn, es sei gewagt!
Nr. 18 - Romanze
PEDRILLO
Im Mohrenland gefangen war
Ein Mädchen hübsch und fein;
Sah rot und weiß, war schwarz von Haar,
Seufzt’ Tag und Nacht und weinte gar,
Wollt’ gern erlöset sein,
Wollt’ gern erlöset sein.
Da kam aus fremdem Land daher
Ein tapf’rer Rittersmann,
Den jammerte das Mädchen sehr,
„Ach!“ rief er, „wag ich Kopf und Ehr,
Wenn ich sie retten kann,
Wenn ich sie retten kann.“
BELMONTE
Mach’ ein Ende, Pedrillo.
PEDRILLO
An mir liegt es nicht, daß sie sich noch nicht zeigen.
Wir müssen’s weiter versuchen.
„Ich komm zu dir in finst’rer Nacht,
Laß, Liebchen, husch mich ein!
Ich fürchte weder Schloß noch Wacht.
Holla! Horch auf! Um Mitternacht
Sollst du erlöset sein,
Sollst du erlöset sein.“
Gesagt, getan; Glock’ zwölfe stand
Der tapfere Ritter da;
Sanft reicht’ sie ihm die weiche Hand,
Früh man die leere Zelle fand;
Fort war sie, hopsasa!
Fort war sie, hopsasa!
Sie ist da, Herr, rasch die Leiter,
Konstanze öffnet das Fenster!
BELMONTE
Konstanze, Liebste, ich komme!
PEDRILLO
Was das für einen abscheulichen Lärm macht!
Blondchen, Blondchen! Mach auf!
(Pedrillo bringt eine Leiter und stellt sie auf. Sie steigen durch das Fenster. Als sie entfliehen wollen, tritt der noch immer betrunkene Osmin ein.)
OSMIN
Gift und Dolch! Wer steigt dort ins Haus?
Diebe, Mörder! Hilfe Wache, die Wache!
BLONDE
Pedrillo, wir sind verloren!
PEDRILLO
O Himmel steh’ uns bei!
OSMIN
Hilfe! Hilfe! – Seh’ ich recht!
Pedrillo, ha,
Blondchen – Warte du Spitzbube,
dein Kopf soll am längsten festgestanden sein!
PEDRILLO
Brüderchen, Brüderchen!
Wirst doch wohl Spaß versteh’n?
Ich wollte doch nur dein Weibchen
ein wenig spazierenführen,
weil du heute nicht aufgelegt bist,
wegen des Cypernweins.
OSMIN
Schurke. Hier verstehe ich keinen Spaß!
Dein Kopf muß herunter,
so wahr ich ein Muselmann bin.
BELMONTE
Laßt mich los!
OSMIN
Ah, sieh da! Die Gesellschaft wird immer größer.
Wollten Herr Baumeister auch spazierengehen,
he?
BELMONTE
Laßt mit Euch reden!
Hier ist ein Beutel mit Zechinen,
er ist Euer, laßt mich los!
OSMIN
Euer Geld brauchen wir nicht.
Das bekommen wir ohnehin!
Eure Köpfe wollen wir haben!
Schleppt sie fort zum Bassa!
(Die Wache führt die vier Gefangenen weg.)
OSMIN
Oh, wie will ich triumphieren,
Wenn sie euch zum Richtplatz führen
Und die Hälse schnüren zu!
schnüren zu!
Und die Hälse schnüren zu!
schnüren zu!
schnüren zu!
Und die Hälse schnüren zu!
schnüren zu!
Hüpfen will ich, lachen, springen
Und ein Freudenliedchen singen,
Denn nun hab ich vor euch Ruh.
Denn nun hab ich vor euch Ruh.
Oh, wie will ich triumphieren,
Wenn sie euch zum Richtplatz führen
Und die Hälse schnüren zu!
schnüren zu!
Und die Hälse schnüren zu!
schnüren zu!
Schleicht nur säuberlich und leise,
Ihr verdammten Haremsmäuse,
Unser Ohr entdeckt euch schon;
Und eh’ ihr uns könnt entspringen,
Seht ihr euch in unsern Schlingen
Und erhaschet euren Lohn.
Und erhaschet euren Lohn.
Schleicht nur säuberlich und leise,
Ihr verdammten Haremsmäuse,
Unser Ohr entdeckt euch schon;
entdeckt euch schon;
entdeckt euch schon;
Oh, wie will ich triumphieren,
Wenn sie euch zum Richtplatz führen
Und die Hälse schnüren zu!
schnüren zu!
Und die Hälse schnüren zu!
schnüren zu!
Hüpfen will ich, lachen, springen
Und ein Freudenliedchen sin-------gen,
Denn nun hab ich vor euch Ruh.
Denn nun hab ich vor euch Ruh.
Oh, wie will ich triumphieren,
Wenn sie euch zum Richtplatz führen
Und die Hälse schnüren zu!
schnüren zu!
schnüren zu!
schnüren, schnüren, schnüren zu!
schnüren, schnüren, schnüren, schnüren,
schnüren, schnüren, schnüren zu!
Und die Hälse schnüren zu,
Und die Hälse schnüren zu!
schnüren zu!
schnüren zu!
schnüren, schnüren, schnüren zu!
schnüren, schnüren, schnüren, schnüren,
schnüren, schnüren, schnüren zu!
Und die Hälse schnüren zu,
Und die Hälse schnüren zu!
Und die Hälse schnüren zu!
schnüren zu!
schnüren zu!
(Ein Saal im Palast des Bassa. Der Bassa tritt mit seinem Gefolge ein. Belmonte und Konstanze werden von der Wache hereingeführt.)
SELIM
Was gibt’s Osmin? Was bedeutet der Aufruhr?
OSMIN
Herr, schändliche Verräterei!
Die niederträchtigen Christensklaven
entführen uns die Weiber.
Der große Baumeister wollte
deine schöne Konstanze entführen!
SELIM
Ach, Verräter!
Ist’s möglich? Konstanze,
mißbrauchtest du so meine Nachsicht
Um mich zu hintergehen?
KONSTANZE
Ich bin strafbar in deinen Augen,
Bassa, ich weiß!
Aber er ist mein Geliebter!
Mein einziger Geliebter!
Verschone nur sein Leben.
SELIM
Du wagst es, für ihn zu bitten?
KONSTANZE
Mehr noch:
für ihn zu sterben!
BELMONTE
Bassa! Noch nie
hat sich dieses Knie vor einem Menschen gebeugt:
hier lieg’ ich zu deinen Füßen
und erflehe dein Mitleid.
Ich stamme aus einer angesehenen spanischen Familie,
bestimme ein Lösegeld für mich und Konstanze.
Mein Name ist Belmonte Lostados.
SELIM
Wie, Lostados?
Ist dir der Kommandant von Oran bekannt?
BELMONTE
Er ist mein Vater.
SELIM
Glücklicher Tag!
Den Sohn meines ärgsten Feindes
in meiner Hand zu haben!
Dein Vater ist schuld,
daß ich mein Vaterland verlassen mußte.
Er brachte mich um Stellung, Vermögen,
sogar um meine Geliebte, um alles.
Sage mir, was würde dein Vater jetzt
an meiner Stelle tun?
BELMONTE
Mein Schicksal würde zu beklagen sein.
SELIM
Das soll es auch! Wie er mit mir,
will ich mit dir verfahren. Komm, Osmin.
(Selim und Osmin gehen ab.)
Nr. 20 - Rezitativ und Duett
BELMONTE
Welch ein Geschick! O Qual der Seele! –
Hat sich denn alles wider mich verschworen!
Ach, Konstanze, durch mich bist du verloren!
Welch eine Pein!
KONSTANZE
Laß, ach, Geliebter, laß dich das nicht quälen.
Was ist der Tod? Ein Übergang zur Ruh!
Und dann, an deiner Seite
Ist er Vorgefühl der Seligkeit.
BELMONTE
Engelsseele! Welch holde Güte!
Du flößest Trost in mein erschüttert Herz,
Du linderst mir den Todesschmerz,
Und ach, ich reiße dich ins Grab!
Meinetwegen sollst du sterben!
Ach Konstanze, kann ich’s wagen,
Noch die Augen aufzuschlagen?
Ich bereite dir den Tod!
Ich bereite dir den Tod!
KONSTANZE
Ach, für mich gibst du dein Leben,
gibst dein Leben,
Ich nur zog dich ins Verderben
Ich, ich nur zog dich ins Verderben
Und ich soll nicht mit dir sterben,
Und ich soll nicht mit dir sterben,
ich soll nicht mit dir sterben?
Wonne ist mir dies Gebot,
Wonne ist mir dies Gebot!
BEIDE
Ach, Geliebte(r) dich zu lieben
War mein Wunsch und all mein Streben!
all mein Streben!
War mein Wunsch und all mein Streben!
KONSTANZE
Ohne dich ist mir’s nur Pein,
BELMONTE
Ohne dich ist mir’s nur Pein,
KONSTANZE
Länger auf der Welt zu sein.
BELMONTE
Länger auf der Welt zu sein.
BEIDE
Länger, länger auf der Welt zu sein.
Länger, länger auf der Welt zu sein.
KONSTANZE
Ohne dich ist mir’s nur Pein,
BELMONTE
Ohne dich ist mir’s nur Pein,
KONSTANZE
Länger auf der Welt zu sein.
BELMONTE
Länger auf der Welt zu sein.
KONSTANZE
Ohne dich ist mir’s nur Pein, ist mir’s nur Pein,
BELMONTE
Ohne dich ist mir’s nur Pein,
BEIDE
Länger auf der Welt zu sein.
BELMONTE
Ich will alles gerne leiden.
KONSTANZE
Ruhig sterb ich und mit Freuden –
BEIDE
Weil ich dir zur Seite bin.
Weil ich dir zur Seite bin.
zur Seite bin.
BELMONTE
Um dich, Geliebte!
KONSTANZE
Um dich, Geliebter!
BEIDE
Geb’ ich gern mein Leben hin!
Geb’ ich gern mein Leben hin!
O welche Seligkeit!
O welche Seligkeit!
O Seligkeit Ah----- welche Seligkeit!
Mit der/dem Geliebten sterben,
Ist seliges Entzücken!
Mit wonnevollen Blicken
Verläßt man da die Welt!
Verläßt man, verläßt man da die Welt!
O welche Seligkeit!
O welche Seligkeit!
O Seligkeit Ah----- welche Seligkeit!
Mit der/dem Geliebten sterben,
Ist seliges Entzücken!
Mit wonnevollen Blicken
Verläßt man da die Welt!
Verläßt man, verläßt man da die Welt!
BELMONTE
Mit der Geliebten sterben,
Ist seliges Entzücken!
BEIDE
Mit wonnevollen Blicken
Verläßt man da die Welt!
KONSTANZE
Mit dem Geliebten sterben,
Ist seliges Entzücken!
BEIDE
Mit wonnevollen Blicken
Verläßt man da die Welt!
Mit wonnevollen Blicken
Verläßt man da die Welt!
Verläßt man da die Welt!
Verläßt man da die Welt!
die Welt, die Welt!
(Pedrillo und Blonde werden von der Wache hereingeführt. Selim und Osmin treten ein.)
SELIM
Nun, zitterst du, erwartest du dein Urteil?
BELMONTE
Ja Bassa, kühle deine Rache an mir.
SELIM
Du täuschest dich,
ich habe deinen Vater viel zu sehr verabscheut,
als daß ich je in seine Fußstapfen treten könnte.
Glaube mir, es ist ein weit größeres Vergnügen,
eine erlittene Ungerechtigkeit durch Großmut
zu vergelten, als Schuld durch Schuld zu sühnen.
Nimm deine Freiheit,
nimm Konstanze
und werde du menschlicher als dein Vater.–
Konstanze,
mögest du es nie bereuen,
mein Herz ausgeschlagen zu haben.
PEDRILLO
Herr, darf ich mit meinem Blondchen auch wagen,
um Gnade zu flehen?
OSMIN
Herr, keine Gnade!
Er hat schon hundertmal den Tod verdient!
SELIM
Man begleite alle vier an das Schiff.
OSMIN
Wie, meine Blonde soll er auch mitnehmen?
SELIM
Alter, beruhige dich.
Wen man durch Wohltun nicht für sich gewinnen kann,
den muß man sich vom Halse schaffen. –
Nr. 21 - Vaudeville
BELMONTE
Nie werd’ ich deine Huld verkennen;
Mein Dank bleibt ewig dir geweiht.
An jedem Ort, zu jeder Zeit
Werd’ ich dich groß und edel nennen.
Wer so viel Huld vergessen kann,
Den seh’ man mit Verachtung an.
KONSTANZE, BLONDE, BELMONTE, PEDRILLO, OSMIN
Wer so viel Huld vergessen kann,
Den seh’ man mit Verachtung an.
KONSTANZE
Nie werd’ ich selbst im Schoß der Liebe
Vergessen, was der Dank gebeut,
Mein Herz, der Liebe nur geweiht,
Hegt auch dem Dank geweihte Triebe.
Wer so viel Huld vergessen kann,
Den seh’ man mit Verachtung an.
KONSTANZE, BLONDE, BELMONTE, PEDRILLO, OSMIN
Wer so viel Huld vergessen kann,
Den seh’ man mit Verachtung an.
PEDRILLO
Wenn ich es je vergessen könnte,
Wie nah’ ich am Erdrosseln war,
Und all der anderen Gefahr:
Ich lief’, als ob der Kopf mir brennte.
Wer so viel Huld vergessen kann,
Den seh’ man mit Verachtung an.
KONSTANZE, BLONDE, BELMONTE, PEDRILLO, OSMIN
Wer so viel Huld vergessen kann,
Den seh’ man mit Verachtung an.
BLONDE
Nehmt meinen Dank mit tausend Freuden,
Herr Bassa, lebt gesund und froh!
Osmin, das Schicksal will es so,
Ich muß von dir auf ewig scheiden.
Wer so wie du nur zanken kann,
Den seh’ man mit Verachtung an!
OSMIN
Verbrennen sollte man die Hunde,
Die uns so schändlich hintergeh’n.
Es ist nicht länger anzuseh’n.
Mir starrt die Zunge fast im Munde,
Um ihren Lohn zu ordnen an:
Erst geköpft, dann gehangen,
Dann gespießt auf heiße Stangen,
Dann verbrannt, dann gebunden,
Dann getaucht; zuletzt geschunden.
Erst geköpft, dann gehangen,
Dann gespießt auf heiße Stangen,
Dann verbrannt, dann gebunden,
Und getaucht; zuletzt geschunden.
(Er läuft voll Wut ab.)
KONSTANZE, BLONDE, BELMONTE, PEDRILLO
Nichts ist so häßlich wie die Rache;
Nichts ist so häßlich wie die Rache;
Nichts ist so häßlich wie die Rache;
Großmütig, menschlich, gütig sein
Und ohne Eigennutz verzeihn,
Ist nur der großen, der großen Seelen Sache!
KONSTANZE
Wer dieses nicht erkennen kann,
Den seh’ man mit Verachtung an.
KONSTANZE, BLONDE, BELMONTE, PEDRILLO
Wer dieses nicht erkennen kann,
Den seh’ man mit Verachtung an.
Den seh’ man mit Verachtung an.
CHOR DER JANITSCHAREN
Bassa Selim lebe lange, lange, lange,
Ehre sei sein Eigentum.
Ehre sei sein Eigentum!
Und sein holder Scheitel prange
Voll von Jubel, voll von Ruhm.
Voll von Jubel, voll von Ruhm.
Bassa Selim lebe lange,
Ehre sei sein Eigentum.
Ehre sei sein Eigentum!
Und sein holder Scheitel prange
Voll von Jubel, voll von Ruhm.
Voll von Jubel, voll von Ruhm.
Bassa Selim lebe lange,
Ehre sei sein Eigentum.
Ehre sei sein Eigentum!
Bassa Selim lebe lange, lange, lange,
Ehre sei sein Eigentum.
Ehre sei sein Eigentum!
Und sein holder Scheitel prange
Voll von Jubel, voll von Ruhm.
Und sein holder Scheitel prange
Voll von Jubel, voll von Ruhm.
Voll von Jubel, voll von Ruhm.
Voll von Jubel, voll von Ruhm!
ENDE