VORSPIEL
(Der Heidelberger Schlosshof.)
Nr. 1 - Studentenlied und Landsknechts-Chor
▼CHOR DER STUDENTEN▲
»Alt Heidelberg, du feine,
Du Stadt an Ehren reich,
Am Neckar und am Rheine
Kein' andre kommt dir gleich.
Stadt fröhlicher Gesellen,
An Weisheit schwer und Wein,
Klar ziehn des Stromes Wellen,
Blauäuglein blitzen drein.
▼WERNER▲
Und kommt aus lindem Süden
Der Frühling über's Land,
So webt er dir aus Blüthen
Ein schimmernd Brautgewand.
Auch mir stehst du geschrieben
Ins Herz gleich einer Braut,
Es klingt wie junges Lieben
Dein Name mir so traut.
▼CHOR DER STUDENTEN▲
Und stechen mich die Dornen,
Und wird mir's drauss zu kahl,
Geb' ich dem Ross die Spornen
Und reit' ins Neckarthal!«
▼CHOR DER LANDSKNECHTE▲
Ha! ha! ha! ha! ha! ha!
▼CONRADIN▲
Worauf wollt ihr denn reiten?
Habt ja kein Ross im Stall,
Habt ja kein Schwert zum Streiten.
Seid Federfuchser all'!
▼CHOR DER LANDSKNECHTE▲
Ha! ha! ha! ha! ha! ha!
▼CONRADIN▲
Da schaut den schmucken Landsknecht an:
Vom Kopf zum Fuss ein ganzer Mann,
Trägt Sporn und Hieber nicht zum Staat,
Mit Herz und Hand ist er Soldat.
Ihr müsst sitzen, ihr müsst schwitzen,
Im Colleg die Ohren spitzen,
Während wir zu Kampf und Siegen
Hoch zu Ross die Welt durchfliegen.
▼CHOR DER LANDSKNECHTE.▲
Wohlauf, Kameraden, mit fröhlichem Muth,
Feinsliebchen im Herzen, die Feder am Hut,
Im goldgelben Wamms, mit dem Schwert in der Hand,
Auf wieherndem Rosse ins weite Land!
▼HAUSHOFMEISTER▲
Aber – aber, meine Herren,
Welche nächtlich arge Störung!
Just als gäb' es hier Empörung,
Oder höllische Verschwörung!
▼CHOR DER STUDENTEN▲
In Ermanglung and'rer Geister
Kommt der Haus- und Kellermeister!
Mitternacht muss nahe sein.
Ha! ha! ha!
▼HAUSHOFMEISTER▲
Meine Herren, haltet ein!
Welche rohen Burschensitten!
Die Frau Kurfürstin lässt bitten,
Ihren Schlummer nicht zu stören
Und sich aus dem Schloss zu scheeren.
▼CHOR DER STUDENTEN▲
Hurrah, die Frau Kurfürstin!
Sicher wär's nach ihrem Sinn,
Wenn wir ihrer noch gedächten
Und ihr gleich ein Ständchen brächten.
▼EINIGE STUDENTEN▲
Ja, wahrhaftig, klug gedacht!
Sang und Klang bei stiller Nacht,
Der entzückt ja stets die Frauen.
▼ANDERE STUDENTEN▲
Doch wer wird sich wohl getrauen,
Ihre Durchlauchtigsten Gnaden
Kühnlich anzuserenaden?
▼ALLE STUDENTEN▲
Bruder Werner, du allein
Kannst den Worten Töne leihn –
Spielst die Gambe, bläs'st die Flöte
Und zumal erst die Trompete – –
▼WERNER▲
Die Trompete? – Ja, fürwahr:
Reicht mir 'ne Trompete dar!
Hab' in den Zigeunerhorden,
Drin ich aufgezogen worden,
Das Trompeten gut gelernt.
Gieb mir dein Kriegshorn, Spielgesell,
Du alter, wack'rer Degen, –
Im Mondstrahl blitzt es zauberhell
Und lockend mir entgegen.
Nr. 2 - Ensemble, Trompeterlied und Serenade (Minne-Lied)
▼CONRADIN▲
Solch' einem schmucken Herrn
Hilft jeder Landsknecht gern! –
Zwar ist wohl für die hohe Kunst
Mein Kriegshorn nicht gemacht,
Doch hat es mir des Feldherrn Gunst
In mancher Schlacht gebracht.
Hei, wenn's so in die Schweden klang:
»Zum Sturme – vorwärts marsch!«
Dann tönt es, wie ein Schlachtgesang,
Aus tausend Kehlen barsch:
»Haut zu, haut zu und schont sie nicht,
Bis euer Schwert in Stücke bricht!«
Doch nicht beim Reiterangriff nur
Ertönt' es auf des Feindes Spur,
Frisch zur Reveille schallt es früh,
Und erst am Abend spät für sie – –
So tön' auch nun zum Lied sein Klang,
Das einstmals Pfalzgraf Friedrich sang.
▼CHOR DER STUDENTEN UND LANDSKNECHTE▲
»Ich kniee vor Euch als getreuer Vasall,
Pfalzgräfin, schönste der Frauen!
Befehlet, so streit' ich mit Kaiser und Reich,
Befehlet, so will ich für Euch, für Euch
Die Welt in Fetzen zerhauen.
Ich hol' Euch vom Himmel die Sonn' und den Mond,
Pfalzgräfin, schönste der Frauen!
Ich hol' Euch die Sterne sonder Zahl,
Wie Fröschlein sollt Ihr die funkelnden all'
Gespiesst am Degen erschauen.
Befehlet, so werd' ich für Euch zum Narr,
Pfalzgräfin, schönste der Frauen!
Ja, Narre bin ich schon sonder Befehl,
Das Sonn'licht blendet mich allzuhell
Von Euren zwo Augen, den blauen.«
▼HAUSHOFMEISTER▲
Gegen Geister hilft der Pater,
Wasser gegen Katz' und Kater:
Wenn wir doch ein Mittel kennten
Gegen Landsknecht' und Studenten!
Die Frau Kurfürstin will schlafen,
Der Senat soll euch bestrafen; –
Geht ihr nicht, so schick' ich schnell
Noch zu Rector und Pedell.
▼DIE STUDENTEN▲
Zum Pedell? Hei duida!
Nennst du ihn, gleich ist er da.
Pedelle sind der Segen
Von jeder Zeit,
Im Sonnenschein und Regen
Zum Fang bereit.
Sie essen nicht,
Sie trinken nicht,
Vergessen nicht
Des Dienstes Pflicht:
Pedelle sind der Segen
Von jeder Zeit.
▼HAUSHOFMEISTER▲
Seht mir solche frechen Rotten
Selbst die Obrigkeit verspotten.
Sucht das Weite! macht euch fort!
Hier ist wahrlich nicht der Ort,
Noch bei Nacht zu commerciren; –
Will den Rector gleich citiren!
Nr. 3 - Duettino (Die Werbung)
▼CONRADIN▲
Ei, ei, Jungbürschlein wohlgemuth,
Du bläs'st ja wie ein Stabstrompeter!
In dir steckt echtes Reiterblut,
Du bist zu gut für Tint' und Feder.
Es fehlt zum Landsknecht, glaube mir,
Nur Federhut und Säbel dir.
Lass dich mit meinem Hut' mal schmücken!
Trink' aus dem Humpen, Kamerad,
Auf uns're Rotte – – dann bist du Soldat!
▼WERNER▲
Lasst ab! lasst ab! es ist mir bekannt,
Die Werbertrommel geht durchs Land; –
Ihr könntet selbst ja Werber sein.
▼CONRADIN▲
Ich, Werberoffizier! – O nein!
▼WERNER▲
Ein Reitersmann möcht' ich wohl sein;
Allein mein alter Pflegevater,
Der mich von den Zigeunern kaufte
Und dann auf seinen Namen taufte
Und hier an uns'rer alma mater
In beiden Rechten ist Professor,
Der möchte gern, ich würd' Assessor.
▼CONRADIN▲
Ei, Respect vor der Carrière!
Nun, so nimm dein Corpus juris,
Setz' dich auf die Bank und höre,
Wie vom Herrn Professor wird
Altes röm'sches Recht docirt.
▼WERNER▲
Römisches Recht, die grösste der Plagen?
Ach, ich hab' es längst im Magen! –
Möchte in die Ferne schweifen,
Wo der Mond die Nebel küsst,
Kühn die weite Welt durchstreifen,
Bis ein holdes Lieb mich grüsst.
Möcht' auf muth'gem Rosse jagen,
Kämpfen kühn mit dem Geschick,
Bis zwei liebe Augen sagen:
Ruhe aus, hier winkt dein Glück!
O Wonnegedanken,
O Träume voll Lust,
Ihr schlingt euch wie Ranken
Um meine Brust!
Brich, jugendlich Wagen,
Mit frischem Schein,
Wie rosiges Tagen
Ins Leben herein!
▼CONRADIN▲
Das nenn' ich Gedanken
Voll Lebenslust!
O, laß sie nicht wanken
In deiner Brust!
Die Jugend muß wagen,
Muß muthig sein –
Nicht grübeln, nicht zagen,
Dem Glücke sich weih'n.
Nr. 4 - Ensemble
▼CONRADIN▲
Darum greif' nach der Trompete,
Nimm ein schwarzgelocktes Mädchen,
Heißt sie Marthe oder Grete –
Wenn sie nur die Schönst' im Städtchen;
Zieh zu Roß landaus, landein,
Kannst bei uns Trompeter sein.
▼WERNER▲
Wie? Trompeter? – Potz Element!
Und in eurem Regiment?
Ei, das wär', wie ich's gewollt!
▼CONRADIN▲
So stoß' an und nimm dies Gold!
▼CHOR DER LANDSKNECHTE▲
Ja, stoß' an und nimm das Gold,
Dann ist's so, wie du's gewollt!
Bist dann unser Kamerad,
Juchhe! Landsknecht und Soldat.
▼WERNER▲
Nein, damit fangt Ihr mich nicht.
▼CONRADIN▲
Nun, so kenn' ich meine Pflicht:
Auf, ergreift mir den, Soldaten!
▼WERNER▲
Burschen 'raus!
▼DIE LANDSKNECHTE▲
D'rauf Kameraden!
▼CONRADIN▲
Ei, der kann's ja wie ein Reiter!
▼DIE STUDENTEN▲
Burschen drauf!
Nr. 5 - Finale
▼RECTOR MAGNIFICUS▲
Haltet ein! nicht weiter!
▼HAUSHOFMEISTER▲
Seht Ihr es, Magnificenz?
Klar wird's Euch zur Evidenz:
Eure academ'sche Jugend
Ehrt nicht Ruh', noch Bürgertugend; –
Excernirt und excludirt.
▼EINIGE STUDENTEN▲
Relegirt und exmittirt?
▼ANDERE▲
Excernirt und excludirt?
▼RECTOR▲
Alle – Alle relegirt!
▼WERNER▲
Relegirt von Bank und Schulden?
▼STUDENTENCHOR▲
Relegirt? O Schreckenswort!
Heidelberg, wir müssen fort!
Musenstadt, dir muss ich klagen
Was dein Strafgesetzbuch spricht:
Nachtigallen dürfen schlagen,
Doch Studenten dürfen's nicht.
▼WERNER▲
Herr Rector magnificus,
Bringt dem Carcer unsern Gruss:
Nimmer sperrt Ihr uns mehr ein,
Wollen freie Reiter sein!
▼CHOR DER STUDENTEN▲
Nimmer sperrt ihr uns mehr ein,
Wollen freie Reiter sein!
▼WERNER▲
Ja, freie Reiter! – Nun wohlan,
Gebt her das Kriegshorn, den Hut mit der Feder –
Mein Handgeld her! Bin Reitersmann
Und wohlbestallter Kriegstrompeter.
▼ALLE▲
Wohlauf, Kameraden, mit fröhlichem Muth,
Feinsliebchen im Herzen, die Feder am Hut,
Im goldgelben Wamms, mit dem Schwert in der Hand,
Auf wieherndem Rosse ins weite Land!
Wo Muth, da ist Kraft, und wo Kraft, da ist Macht;
Je dichter der Feind, desto heisser die Schlacht;
Je heisser die Schlacht, desto kühler 's Quartier:
Stets vorwärts weht lustig des Landsknechts Panier!
ERSTER AKT
(Platz vor der Kirche St. Fridolini zu Säckingen.)
Nr. 6 - Bauerntanz und Chor
▼CHOR▲
Der Hans schwingt die Liese, die Liese den Hans,
Juchheirassasa, die drehn sich beim Tanz; –
Hell tönet die Fiedel, und tief brummt der Baß,
Wie hebt das die Füße, wie lustig klingt das!
Der Schwarzwälder Bursch und die Höhgauer Maid,
Das giebt wohl ein Paar, daß das Herz sich dran freut;
Dem Burschen der Strauß und dem Mädel der Kranz,
Juchheisa, bald giebt's einen Hochzeitstanz!
Juchhe!
▼EINIGE ÄLTERE MÄNNER▲
Was fangt ihr so früh schon an?
Kann doch Abends Jedermann
Zu St. Fridolini Ehren
Noch genug den Tanzsaal kehren.
▼CHOR DER JUNGEN SÄCKINGER▲
O, Fridoline, Schutzpatron
Für alle jungen Leute,
Gegrüßt sei uns, du Nordlandssohn,
Dein schöner Festtag heute –
Gegrüßt im ersten Frühlingslicht,
Wo Welt und Herz die Rinde bricht
Und Alles blüht und sprießt:
Sei tausendmal gegrüßt,
O, heil'ger Fridoline!
▼CONRADIN▲
O, heil'ger Fridoline!
▼EINIGE JUNGE MÄDCHEN▲
Was seufzt Er, alter Landsknecht, denn,
Als ob ihm Lieb' im Herzen brenn'?
▼CONRADIN▲
O, heil'ger Fridoline,
Dem ich so gerne diene:
Warum gilt all dein Walten
Den Jungen nur? – Wir Alten
Sind doch auch nicht von Stein!
▼DIE JUNGEN MÄDCHEN▲
Ja, ja, das mag wohl sein!
Doch weise ist,
Wer nicht vergißt,
Wann für ihn Zeit zur Ruhe ist.
▼CONRADIN▲
Das nenn' ich mir doch Uebermuth!
Respect vor mir, du junge Brut! –
Glaubt ihr, der hohe Magistrat
Hat mich hierhergesetzt zum Staat? –
O nein, daß ich verständnißvoll
Euch Alle überwachen soll!
▼DIE JUNGEN MÄDCHEN▲
Ei, wahrlich eine schwere Pflicht;
Denn Alter schützt vor Thorheit nicht.
▼CONRADIN▲
Drum komm mal her, mein Käthchen,
Rothwangig Schwarzwaldmädchen,
Und gieb mir einen Schmatz,
Du süßer Herzensschatz!
▼CHOR DER HAUENSTEINER BAUERN▲
Was fällt dem alten Graukopf ein? –
Läßt er gleich das Charmiren sein!
▼CONRADIN▲
O, heil'ger Fridoline,
Ward bei der Liebe wettergrau:
Die Weiber kenn' ich ganz genau –
Wenn's keine Jungen für sie giebt,
Thun mit den Alten sie verliebt.
Drum halt' die Jungen mir vom Leib:
Möcht' auch noch meinen Zeitvertreib,
Und schenk' mir die Blondine,
O, heil'ger Fridoline!
▼CHOR▲
Der Hans schwingt die Liese, die Liese etc.
Nr. 7 - Ensemble und Rezitativ
▼DIE BAUERN▲
Das ist doch eine Sünd' und Schand!
Soldatenstand und Bauernstand,
Die passen nimmer zu einand.
▼CONRADIN▲
Ja, wir sind auch der Wehr stand,
Und ihr doch nur der Nährstand!
▼DIE BAUERN▲
Macht's auch wie unser Freiherr dort,
Der Vögte schickt von Ort zu Ort
Und alle Tage weiß ein Fest,
An dem er Steuern sammeln läßt.
Unser Land sei steuerfrei!
▼CONRADIN▲
Der Freiherr hat ganz Recht:
Der Bauer ist sein Knecht,
Den er vor Stolz und Ueberfluß
Stets väterlich behüten muß.
▼DIE BAUERN▲
Das ist so recht des Kriegsvolks Art,
Das stets sich um den Adel schaart; –
Doch bald heißt's: »Mitgegangen,
Darum auch mitgehangen.«
▼CONRADIN▲
Habt ihr's auf Landsknecht' abgesehn?
Hier seht ihr einen vor euch stehn,
Der Trutz dem Bauernvolke beut
Und solch Gesindel nimmer scheut.
▼DIE BAUERN▲
Verweg'ner Landsknecht, wehr' dich gut:
Der Bauernknüttel färbt mit Blut!
▼WERNER▲
Gemach, gemach, Freund Conradin!
Mußt du selbst bei Sanct Fridolin
Zum Raufen deine Klinge ziehn?
▼CONRADIN▲
Was seh' ich? Werner? Welche Freud'?
Du kommst mir just zur rechten Zeit:
Die Klinge 'raus! Hilf mir beim Streit!
▼WERNER▲
O nicht doch! Laß die Leute gehn,
Und freue dich, daß wir uns wiedersehn. –
▼CONRADIN▲
Kommst just zum Fest zur rechten Zeit.
▼WERNER▲
Das seh' ich, Freund! – Auf jedem Pfad
Der Strom der frohen Waller naht.
▼CONRADIN▲
Sanct Fridolini Fest ist heute,
Des Schutzpatrons der jungen Leute.
▼WERNER▲
Ich bin ja auch ein junges Blut
Mit frischem Sinn und keckem Muth:
Der Heil'ge mag mir gnädig sein!
Nr. 8 - Rezitativ, Ensemble und Duettino
▼WERNER▲
Viel bunte Nachen wiegt der Rhein –
Ei, wie das flaggt und weht!
▼CONRADIN▲
Nicht wahr?
▼WERNER▲
Und wen trägt jener dort?
▼CONRADIN▲
Ein Paar
Von wahrlich ganz verschied'ner Art.
▼WERNER▲
Wie sich mit Nacht der Morgen paart,
Schmiegt sich ans dunkle Trauerkleid
Der Andern eine junge Maid.
Sag an, wer ist das holde Bild,
Das wie ein Frühlingstraum so mild?
▼CONRADIN▲
Das ist des Freiherrn Töchterlein
Mit ihrer gestrengen Frau Base,
Der alten Gräfin Wildenstein.
▼WERNER▲
Nie ahnt' ich solcher Schönheit Wonne!
▼DIE SCHIFFSLEUTE▲
Macht Platz, ihr Bauern!
▼DIE BAUERN▲
Ei, wozu?
Hier hat der Bauer so viel Rechte,
Und mehr noch, als des Freiherrn Knechte.
Wir werden euch zum Trotze bleiben!
Laßt sehn! wer will uns hier vertreiben?
▼WERNER▲
Ich! – Weg, ihr Leute! Treibt ihr's so?
Ich will euch bessre Sitten lehren!
▼DIE BAUERN▲
Wart' nur, junger Spielmann,
Wollen die dich kennen lehren.
▼WERNER▲
Fürchtet nichts, ich biete Trutz,
Und vertraut euch meinem Schutz!
▼MARIA▲
Nehmet Dank! Ein braver Landsknecht,
Der bedrohte Frauen schützt!
▼WERNER▲
Ha, wie süß der Strahl der Freude
Jetzt aus ihren Augen blitzt!
Dankt mir nicht, mein holdes Fräulein!
That nicht mehr als meine Pflicht; –
Wollt ihr aber mich beglücken,
Unaussprechlich mich entzücken,
Schenkt mir ein Vergißmeinnicht
Aus dem Strauße, der euch schmückt.
▼MARIA▲
Wenn das Blümchen euch beglückt –
Von Herzen gern!
▼DIE BAUERN▲
Seht doch den Herrn!
Wie er mit dem Schloßfräulein
Thut so artig und so fein – –
Will der ein Trompeter sein?
▼GRÄFIN▲
Es ist empörend – dieses Volk! – Sagt an,
Wer aber ist der junge Mann
Von ritterlichem Wesen,
Der unser Schutz gewesen?
▼CONRADIN▲
Er nennt sich Werner, hohe Dame; –
Kirchhofer war des Mannes Name,
Der einst ihn bei Zigeunern fand
Und später dann nach sich benannt.
▼GRÄFIN▲
Wie? bei Zigeunern? Offenbar
War er doch nicht von ihrem Stamm! –
Mein Sohn wär' nun wohl auch so alt
Und von so lieblicher Gestalt,
Wär' er von solchen wilden Horden
Als Kind uns nicht gestohlen worden.
▼CONRADIN▲
Der machte sicher wohl mehr Staat
Als dieser schlichte Kamerad,
Der sonst ein Spielmann ohne Tadel.
▼GRÄFIN▲
Er war ja ganz mein Ebenbild –
Bis auf dies Mal am Arm mein Bild –
Und der nur Landsknecht, nicht von Adel!
Maria!
▼WERNER▲
O, Maria!
Im Himmel und auf Erden
Des schönsten Namens Klang!
▼GRÄFIN▲
O komm! Was weilst du hier so lang?
▼MARIA▲
Wollt' nur nicht ungeduldig werden?
Kommt, laßt uns in die Kirche gehn
Und uns vom Heil'gen Glück erflehn!
Nr. 9 - Finale (Der Kirchgang)
▼CHOR▲
O, heil'ger Fridoline,
Sei uns gebenedeit!
Schenk' unsern Fluren Segen
Und Sonnenschein und Regen
Zur rechten Zeit.
▼CONRADIN▲
O, heil'ger Fridoline,
Was hast du angericht't!
Ein Fräulein den Trompeter –
Das sieht doch wohl ein Jeder:
Das geht doch nicht!
▼CHOR▲
O, heil'ger Fridoline,
Du Schutz der Christenheit,
Gieb Liebe unsern Herzen
Und sei in Lust und Schmerzen
Gebenedeit!
▼WERNER▲
Maria, o Maria,
Du wundersame Maid,
Aus deines Auges Sonne
Lacht nun erst mir die Wonne
Der Frühlingszeit.
▼VERWANDLUNG▲
(Zimmer)
Nr. 10 - Die Arie vom Zipperlein
▼FREIHERR▲
Da schlage doch das Wetter drein,
In das verdammte Zipperlein,
Daß ich mit meinem Hinkefuß
Nun hier im Lehnstuhl sitzen muß,
Es gab wohl eine schöne Zeit,
Da war es anders noch als heut'; –
Da jagt' ich durch die weite Welt,
Flink wie der Hirsch durchs Aehrenfeld,
Und manches holde Aeugelein
Das winkte hell wie Sonnenschein
Von ferne schon dem Reitersmann –
Doch heut' – was fang' ich heute an?
Da ward der alte Lehnstuhl mir
Zum unfreiwilligen Quartier,
Es meint wohl mancher lästerlich –
Und das ist doch ganz lächerlich! –
Das sollt' vom Wein gekommen sein, –
Der Hinkefuß von solchem Wein!
's war freilich stets mein stilles Glück,
Von jeder Rheinweinsort' ein Stück
Zu sehn in meinem Keller,
Und zu probiren früh und spät,
Wie es mit jedem Jahrgang steht –
Zumal beim Muskateller!
Das ist nun 'mal mein Lieblingswein
Und wird's trotz dir, o Zipperlein,
Bis an mein sel'ges Ende sein –
Bis an mein sel'ges Ende! –
Dann falt' ich still die Hände
Und sag': »Es muß geschieden sein,
Schenkt nochmals Muskateller ein!«
O Podagra, o Chiragra,
Dann ist es auch mit euch tralla!
Das bleibt mein Trost in dieser Welt,
Wenn's noch so schlecht mit mir bestellt!
Nr. 11 - Rezitativ, Melodram und Ariette
▼FREIHERR▲
Das kommt vom Grafen Wildenstein! –
Laß mir den Boten selbst herein,
Die Antwort ihm zu sagen.
Hm! was will er?
»Alter Freund!
Meine Frau ist jüngst gestorben,
Und ich will den alten Streit
Mit der Gräfin, deiner Schwäg'rin,
Die mein erst Gemahl gewesen,
Noch vor meinem Ende schlichten!«
Bravo! Bravo! das ist redlich!
Kennne d'ran den biedern Landsknecht
Und den alten Kameraden!
»Ausgehn darf kein edler Stamm; –
Darum macht' ich mir ein Plänchen! –
Sag', du hast doch eine Tochter,
Und ich habe einen Sohn; –
Beide sind von gutem Adel
Und gewiß d'rum ohne Tadel,
Und ich dachte lange schon
Wenn ich nun mit Damian käme
Und der deine Tochter nähme?«
Donnerwetter! – kurz, soldatisch
Und dabei doch diplomatisch –
Das gefällt mir! Hei – juchhei!
Ei, da bin ich gleich dabei!
»Au! ja so!«
So reite zurück in dein Donauthal
Und grüße den Freund mir viel tausendmal,
Und sag' ihm, er möge nur kommen,
Sein Antrag sei angenommen!
Und sag' ihm, ich könnt es ihm schreiben nicht,
Weil meine Rechte lähmte die Gicht:
Doch mög' er just am ersten Mai,
Zu meinem Geburtstag, erscheinen,
Daß dadurch um so größer sei
Die Freude für die Meinen,
Die ich dann überraschen will:
Drum schweig mir über Alles still! –
Ins Schloß kommt ein Freier
Von gräflichem Blut,
Da schmeckt mir's zur Feier
Noch einmal so gut!
Ihr einsamen Räume,
Bald kehrt euch zurück
Statt alternder Träume
Nun bräutliches Glück.
Nr. 12 - Terzett
▼MARIA▲
Zürne nicht' mein Väterchen,
Daß wir dich allein gelassen.
▼FREIHERR▲
Nein, ich hab indeß mein Pfeifchen
Recht von Herzen dampfen lassen.
Weiß ja schon, euch Frauenzimmer
Sieht man wiederkehren nimmer,
Ließ man euch zum Feste gehn.
▼GRÄFIN▲
Freilich konnt' es leicht gescheh'n,
Daß Ihr nimmer uns gesehen;
Denn die Hauensteiner Bauern,
Die mit Euch im Zwiste stehen,
Schienen uns dort aufzulauern.
▼FREIHERR▲
Dies Gesindel – diese Bande!
Ha! das ist doch eine Schande!
Nicht die Frauen auf den Gassen
Mehr in Sicherheit zu lassen!
Hätt' ich nicht das Zipperlein,
Haut' ich heut' noch auf sie ein.
Ach, wie fehlt dem alten Stamme
Doch so sehr ein frisches Reis? –
Töchterchen, 's wird hohe Zeit,
Einen Schirmherrn dir zu suchen.
▼MARIA▲
Väterchen, der wird sich finden; –
Vielleicht schneller, als wir's ahnen!
▼FREIHERR▲
Rings Empörung, drohn Gefahren
Uns im schwach besetzten Schlosse.
Kann nicht mal ein Zeichen geben,
Wenn man uns hier überfiel,
Den Verbündeten im Städtchen,
Meiner alten Landsknechtrotte;
Denn mein treuer Schloßtrompeter,
Der mir oft die Grillen wegblies,
Ging auch jüngst zu seinen Vätern,
Und verlassen sitz' ich hier.
▼MARIA▲
Einen prächtigen Trompeter
Wüßt' ich, Väterchen, für dich!
▼GRÄFIN▲
Meinst doch den nicht, der beim Feste
Vor den Bauern uns beschützt?
▼MARIA▲
Ja, Frau Base, er allein
Soll hier Schloßtrompeter sein!
's ist ein Spielmann ohne Tadel.
▼GRÄFIN.▲
Nein, Herr Schwager, folget mir!
Der paßt ganz und gar nicht hier
In dies Haus von altem Adel.
▼FREIHERR▲
Ei, das Blasen der Signale
Lernt man nicht im Ahnensaale;
Dient uns redlich nur der Mann,
Was geht uns sein Wappen an?
▼GRÄFIN▲
Nein, Herr Schwager, folget mir:
Der paßt ganz und gar nicht hier.
▼MARIA▲
Väterchen, glaub' mir!
▼GRÄFIN▲
Glaubt mir!
▼MARIA▲
Nur zum Besten rath' ich dir.
Ach, er ist so nett und fein –
Der muß dein Trompeter sein!
▼GRÄFIN▲
Nein, Herr Schwager, nein, nein, nein!
Meine Schwester, die hochselig,
Aergerte gewiß sich schmählich.
▼FREIHERR▲
O mein Gott, auch die Hochseligen
Sollen noch dies Schloß befehligen!
Nr. 13 - Rezitativ, Notturno und Lied
▼FREIHERR▲
Wenig Dank wißt ihr dem Retter,
Der Euch barg vor Bauernwuth.
Seltsam! einst, im Schlachtenwetter,
Opferte sein treues Blut
Auch ein Spielmann mir – aufs Neue
Denk' ich heute seiner Treue!
Spielmannstreue lebe hoch!
Ha! wer bläst dort unten am Rhein?
Das klingt ja, als wollte noch unter dem Rasen
Mein Schloßtrompeter sein Leibstück mir blasen!
▼MARIA▲
Das kann nur der hübsche Trompeter sein!
▼GRÄFIN▲
Das kann nur der kecke Trompeter sein!
▼MARIA▲
Er ist's! – er ist's! Ich erkenne ihn wieder!
Schwer nickt ihm die Feder vom Hute nieder.
»Wie stolz und stattlich geht er!
Wie adlich ist sein Muth!
Er ist nur ein Trompeter,
Und doch bin ich ihm gut.
Und hätt' er sieben Schlösser,
Er säh' nicht schmucker drein,
– Ach Gott, und doch wär's besser,
Er würd' ein And'rer sein!
Ach wär' er doch ein Ritter,
Ein Ritter vom gold'nen Vliess!
– O Lieb, wie bist du bitter,
O Lieb, wie bist du süss!«
Vater, jetzt naht er des Schloßparks Stufen!
▼FREIHERR▲
So sende hinunter und lass' ihn mir rufen!
▼GRÄFIN▲
Aber, aber, mein Herr Schwager,
Solchen fremden jungen Mann
Nehmt nicht gleich in Eure Dienste –
Seht ihn Euch erst näher an.
▼FREIHERR▲
Freilich, freilich, Schwägerin,
Müßt' er sein nach meinem Sinn;
Denn zu meinem Schloßtrompeter
Paßt in uns'rer Zeit nicht Jeder.
▼GRÄFIN▲
Viel zu jung ist er dazu.
▼FREIHERR▲
Ach, das läßt mich wohl in Ruh' –
▼GRÄFIN▲
Na, wenn Ihr nicht hören wollt,
Ihr vielleicht noch fühlen sollt.
▼MARIA▲
Väterchen, er kommt! – er kommt
Schon herauf die Treppen;
Höre auf den Stufen schon
Seinen Degen schleppen.
▼MARIA▲
Ha, da ist er! Welche Freude!
Ach, wie klopft mein Herz so laut!
Ist es Dank nur, ist es Liebe,
Daß es jubelt, wenn's ihn schaut?
▼WERNER▲
Ha, da ist sie! Welche Schönheit!
Blendet mich der Sonne Licht?
Niemals sah von solcher Anmuth
Leuchten ich ein Angesicht!
▼FREIHERR▲
Ha, da ist er! Kreuz Schwadronen,
's ist ein hübscher Bursch fürwahr!
Gluth im Auge, Muth im Herzen,
Wie's einst meine Sorte war!
Nr. 14 - Quartett, Lied und Finale
▼GRÄFIN▲
Ha, da ist er! Welche Kühnheit!
Bis ins Schloß verfolgt er sie! –
Ach! mein Schwager wird's bereuen:
Solchen Landsknecht sah ich nie.
▼WERNER▲
Herr Oberst, Ihr ließet mich rufen; –
Ich folgte Eurem Befehl!
▼FREIHERR▲
Ich wollt' Euch kennen lernen
Und mache d'raus kein Hehl! –
Habt diese beiden Damen,
Die von den Bauern bedroht,
Als sie zum Feste kamen,
Recht brav beschützt in der Noth, –
Nehmt Dank!
▼WERNER▲
Herr Oberst, dankt mir nicht!
Das war nicht mehr als Mannespflicht.
▼FREIHERR▲
Bescheidenheit und Tapferkeit
Sind nicht beisammen jederzeit:
Herr Spielmann, wohl gefällt mir das!
Kommt, setzt Euch zu mir! – Kind ein Glas.
▼MARIA▲
Laßt Euch den Trunk bekommen!
▼FREIHERR▲
Ja seid bei uns willkommen!
▼WERNER▲
Ihr heißet mich willkommen –
Ein Fremdling bin ich hier,
Unstät im Süd und Norden
Durchstreift' ich das Revier.
Im Süden Duft und Blüthen,
Im Norden Eis und Schnee,
Doch überall im Herzen
Der Sehnsucht stilles Weh.
Was ahnungsvoll ich suchte
Und dennoch nirgends fand,
Sah endlich nun mein Auge
In diesem schönen Land.
▼FREIHERR▲
Ich freue mich, daß Euch die Welt
Am Rheine hier bei uns gefällt; –
Drum kommen wir 'mal gleich zum Ziel,
Denn wißt, ich rede nicht gern viel! –
Ich brauche einen Schloßtrompeter –
Mein alter sank mir jüngst ins Grab;
Doch kann, mein junger Freund, nicht Jeder,
Was ich für ihn zu schaffen hab'.
Wird nicht nur allarmiren müssen,
Wenn diesem Schloß Gefahren drohn,
Muß auch noch manches Andre wissen:
Zum Beispiel, oft für Extralohn
Musik mit meiner Tochter treiben
Und zierlich für sie Noten schreiben.
▼WERNER▲
Fürwahr, Herr, das bedaur' ich sehr:
Allein ich bin kein Schreiber mehr.
Hab' nur noch Roß und Schwert geführt
Und keine Feder angerührt,
Seit als Student ich relegirt.
▼FREIHERR▲
Potz Element! Ihr habt studirt?
▼WERNER▲
Zu Heidelberg.
▼FREIHERR▲
Ei was?
War auch mal dort beim großen Faß
Erzählt mir doch: ist noch viel drin?
Und wie geht's Eurer Kurfürstin?
▼WERNER▲
Die Kurfürstin glänzt wie ein Edelstein,
Und goldig fließt aus dem Fasse der Wein.
▼FREIHERR▲
Da muß es noch herrlich zu Heidelberg sein!
▼WERNER▲
Gewiß!
»Alt Heidelberg, du feine,
Du Stadt an Ehren reich, –
Am Neckar und am Rheine
Kein' andre kommt dir gleich!«
▼FREIHERR▲
Das mein ich auch! – Ein schönes Lied!
Wie Rebengrün lacht's ins Gemüth!
Ihr scheint als echter Musikant
Frau Musika mir hoch zu ehren
Und werdet sicher recht gewandt
Darin auch nun mein Kind belehren.
▼WERNER▲
Ach, edler Herr, Ihr ehrt mich sehr –
▼FREIHERR▲
Und doch wird Euch das Jawort schwer?
▼WERNER▲
Maria! O, welch süßes Glück!
Ich muß! – ich kann nicht mehr zurück!
▼GRÄFIN▲
Ha! welches Glück in ihrem Blick; –
Umsonst beschwor ich das Geschick!
▼MARIA▲
Weiht' ihm ein schön Dukatenstück,
Drum bringt Sanct Fridolin mir Glück!
▼FREIHERR▲
Stoßt an! entschließt Euch auf gut Glück!
Schön klang mir Euer Probestück!
▼WERNER▲
Wohl, edler Herr, ich geh' drauf ein,
Will Euer Schloßtrompeter sein,
Fortan mit Leib und Leben
Nur Eurem Dienst ergeben.
▼FREIHERR▲
Schlag', junger Spielmann, nun d'rauf ein:
Sollst unser Schloßtrompeter sein,
Fortan mit Leib und Leben
Nur unserm Dienst ergeben.
▼MARIA▲
Ach, welches Glück! Er geht d'rauf ein,
Will unser Schloßtrompeter sein,
Fortan mit Leib und Leben
Nur uns allein ergeben!
▼GRÄFIN▲
O weh, o weh! Er drauf ein
Und will hier Schloßtrompeter sein!
Das wird was Schönes geben!
Was muß ich noch erleben!
▼FREIHERR, WERNER UND MARIA▲
Heil dir, du holde Spielmannskunst,
Zeig uns von Neuem deine Gunst; –
Im Schlosse hier, im alten,
Soll nun dein Zauber walten;
Und wieder tön' es fern und nah:
Heil dir, Heil dir, Frau Musica!
▼GRÄFIN▲
O trauet nicht der Spielmannskunst,
Stets warb sie um der Frauen Gunst,
Und wie einst bei uns Alten,
Wird sie's auch jetzt noch halten.
An allem Unglück, das geschah,
Trug stets die Schuld Frau Musica!
VORSPIEL
Der Heidelberger Schlosshof.
Nr. 1 - Studentenlied und Landsknechts-Chor
CHOR DER STUDENTEN
»Alt Heidelberg, du feine,
Du Stadt an Ehren reich,
Am Neckar und am Rheine
Kein' andre kommt dir gleich.
Stadt fröhlicher Gesellen,
An Weisheit schwer und Wein,
Klar ziehn des Stromes Wellen,
Blauäuglein blitzen drein.
WERNER
Und kommt aus lindem Süden
Der Frühling über's Land,
So webt er dir aus Blüthen
Ein schimmernd Brautgewand.
Auch mir stehst du geschrieben
Ins Herz gleich einer Braut,
Es klingt wie junges Lieben
Dein Name mir so traut.
CHOR DER STUDENTEN
Und stechen mich die Dornen,
Und wird mir's drauss zu kahl,
Geb' ich dem Ross die Spornen
Und reit' ins Neckarthal!«
CHOR DER LANDSKNECHTE
Ha! ha! ha! ha! ha! ha!
CONRADIN
Worauf wollt ihr denn reiten?
Habt ja kein Ross im Stall,
Habt ja kein Schwert zum Streiten.
Seid Federfuchser all'!
CHOR DER LANDSKNECHTE
Ha! ha! ha! ha! ha! ha!
CONRADIN
Da schaut den schmucken Landsknecht an:
Vom Kopf zum Fuss ein ganzer Mann,
Trägt Sporn und Hieber nicht zum Staat,
Mit Herz und Hand ist er Soldat.
Ihr müsst sitzen, ihr müsst schwitzen,
Im Colleg die Ohren spitzen,
Während wir zu Kampf und Siegen
Hoch zu Ross die Welt durchfliegen.
CHOR DER LANDSKNECHTE.
Wohlauf, Kameraden, mit fröhlichem Muth,
Feinsliebchen im Herzen, die Feder am Hut,
Im goldgelben Wamms, mit dem Schwert in der Hand,
Auf wieherndem Rosse ins weite Land!
HAUSHOFMEISTER
Aber – aber, meine Herren,
Welche nächtlich arge Störung!
Just als gäb' es hier Empörung,
Oder höllische Verschwörung!
CHOR DER STUDENTEN
In Ermanglung and'rer Geister
Kommt der Haus- und Kellermeister!
Mitternacht muss nahe sein.
Ha! ha! ha!
HAUSHOFMEISTER
Meine Herren, haltet ein!
Welche rohen Burschensitten!
Die Frau Kurfürstin lässt bitten,
Ihren Schlummer nicht zu stören
Und sich aus dem Schloss zu scheeren.
CHOR DER STUDENTEN
Hurrah, die Frau Kurfürstin!
Sicher wär's nach ihrem Sinn,
Wenn wir ihrer noch gedächten
Und ihr gleich ein Ständchen brächten.
EINIGE STUDENTEN
Ja, wahrhaftig, klug gedacht!
Sang und Klang bei stiller Nacht,
Der entzückt ja stets die Frauen.
ANDERE STUDENTEN
Doch wer wird sich wohl getrauen,
Ihre Durchlauchtigsten Gnaden
Kühnlich anzuserenaden?
ALLE STUDENTEN
Bruder Werner, du allein
Kannst den Worten Töne leihn –
Spielst die Gambe, bläs'st die Flöte
Und zumal erst die Trompete – –
WERNER
Die Trompete? – Ja, fürwahr:
Reicht mir 'ne Trompete dar!
Hab' in den Zigeunerhorden,
Drin ich aufgezogen worden,
Das Trompeten gut gelernt.
Gieb mir dein Kriegshorn, Spielgesell,
Du alter, wack'rer Degen, –
Im Mondstrahl blitzt es zauberhell
Und lockend mir entgegen.
Nr. 2 - Ensemble, Trompeterlied und Serenade (Minne-Lied)
CONRADIN
Solch' einem schmucken Herrn
Hilft jeder Landsknecht gern! –
Zwar ist wohl für die hohe Kunst
Mein Kriegshorn nicht gemacht,
Doch hat es mir des Feldherrn Gunst
In mancher Schlacht gebracht.
Hei, wenn's so in die Schweden klang:
»Zum Sturme – vorwärts marsch!«
Dann tönt es, wie ein Schlachtgesang,
Aus tausend Kehlen barsch:
»Haut zu, haut zu und schont sie nicht,
Bis euer Schwert in Stücke bricht!«
Doch nicht beim Reiterangriff nur
Ertönt' es auf des Feindes Spur,
Frisch zur Reveille schallt es früh,
Und erst am Abend spät für sie – –
So tön' auch nun zum Lied sein Klang,
Das einstmals Pfalzgraf Friedrich sang.
CHOR DER STUDENTEN UND LANDSKNECHTE
»Ich kniee vor Euch als getreuer Vasall,
Pfalzgräfin, schönste der Frauen!
Befehlet, so streit' ich mit Kaiser und Reich,
Befehlet, so will ich für Euch, für Euch
Die Welt in Fetzen zerhauen.
Ich hol' Euch vom Himmel die Sonn' und den Mond,
Pfalzgräfin, schönste der Frauen!
Ich hol' Euch die Sterne sonder Zahl,
Wie Fröschlein sollt Ihr die funkelnden all'
Gespiesst am Degen erschauen.
Befehlet, so werd' ich für Euch zum Narr,
Pfalzgräfin, schönste der Frauen!
Ja, Narre bin ich schon sonder Befehl,
Das Sonn'licht blendet mich allzuhell
Von Euren zwo Augen, den blauen.«
HAUSHOFMEISTER
Gegen Geister hilft der Pater,
Wasser gegen Katz' und Kater:
Wenn wir doch ein Mittel kennten
Gegen Landsknecht' und Studenten!
Die Frau Kurfürstin will schlafen,
Der Senat soll euch bestrafen; –
Geht ihr nicht, so schick' ich schnell
Noch zu Rector und Pedell.
DIE STUDENTEN
Zum Pedell? Hei duida!
Nennst du ihn, gleich ist er da.
Pedelle sind der Segen
Von jeder Zeit,
Im Sonnenschein und Regen
Zum Fang bereit.
Sie essen nicht,
Sie trinken nicht,
Vergessen nicht
Des Dienstes Pflicht:
Pedelle sind der Segen
Von jeder Zeit.
HAUSHOFMEISTER
Seht mir solche frechen Rotten
Selbst die Obrigkeit verspotten.
Sucht das Weite! macht euch fort!
Hier ist wahrlich nicht der Ort,
Noch bei Nacht zu commerciren; –
Will den Rector gleich citiren!
Nr. 3 - Duettino (Die Werbung)
CONRADIN
Ei, ei, Jungbürschlein wohlgemuth,
Du bläs'st ja wie ein Stabstrompeter!
In dir steckt echtes Reiterblut,
Du bist zu gut für Tint' und Feder.
Es fehlt zum Landsknecht, glaube mir,
Nur Federhut und Säbel dir.
Lass dich mit meinem Hut' mal schmücken!
Trink' aus dem Humpen, Kamerad,
Auf uns're Rotte – – dann bist du Soldat!
WERNER
Lasst ab! lasst ab! es ist mir bekannt,
Die Werbertrommel geht durchs Land; –
Ihr könntet selbst ja Werber sein.
CONRADIN
Ich, Werberoffizier! – O nein!
WERNER
Ein Reitersmann möcht' ich wohl sein;
Allein mein alter Pflegevater,
Der mich von den Zigeunern kaufte
Und dann auf seinen Namen taufte
Und hier an uns'rer alma mater
In beiden Rechten ist Professor,
Der möchte gern, ich würd' Assessor.
CONRADIN
Ei, Respect vor der Carrière!
Nun, so nimm dein Corpus juris,
Setz' dich auf die Bank und höre,
Wie vom Herrn Professor wird
Altes röm'sches Recht docirt.
WERNER
Römisches Recht, die grösste der Plagen?
Ach, ich hab' es längst im Magen! –
Möchte in die Ferne schweifen,
Wo der Mond die Nebel küsst,
Kühn die weite Welt durchstreifen,
Bis ein holdes Lieb mich grüsst.
Möcht' auf muth'gem Rosse jagen,
Kämpfen kühn mit dem Geschick,
Bis zwei liebe Augen sagen:
Ruhe aus, hier winkt dein Glück!
O Wonnegedanken,
O Träume voll Lust,
Ihr schlingt euch wie Ranken
Um meine Brust!
Brich, jugendlich Wagen,
Mit frischem Schein,
Wie rosiges Tagen
Ins Leben herein!
CONRADIN
Das nenn' ich Gedanken
Voll Lebenslust!
O, laß sie nicht wanken
In deiner Brust!
Die Jugend muß wagen,
Muß muthig sein –
Nicht grübeln, nicht zagen,
Dem Glücke sich weih'n.
Nr. 4 - Ensemble
CONRADIN
Darum greif' nach der Trompete,
Nimm ein schwarzgelocktes Mädchen,
Heißt sie Marthe oder Grete –
Wenn sie nur die Schönst' im Städtchen;
Zieh zu Roß landaus, landein,
Kannst bei uns Trompeter sein.
WERNER
Wie? Trompeter? – Potz Element!
Und in eurem Regiment?
Ei, das wär', wie ich's gewollt!
CONRADIN
So stoß' an und nimm dies Gold!
CHOR DER LANDSKNECHTE
Ja, stoß' an und nimm das Gold,
Dann ist's so, wie du's gewollt!
Bist dann unser Kamerad,
Juchhe! Landsknecht und Soldat.
WERNER
Nein, damit fangt Ihr mich nicht.
CONRADIN
Nun, so kenn' ich meine Pflicht:
Auf, ergreift mir den, Soldaten!
WERNER
Burschen 'raus!
DIE LANDSKNECHTE
D'rauf Kameraden!
CONRADIN
Ei, der kann's ja wie ein Reiter!
DIE STUDENTEN
Burschen drauf!
Nr. 5 - Finale
RECTOR MAGNIFICUS
Haltet ein! nicht weiter!
HAUSHOFMEISTER
Seht Ihr es, Magnificenz?
Klar wird's Euch zur Evidenz:
Eure academ'sche Jugend
Ehrt nicht Ruh', noch Bürgertugend; –
Excernirt und excludirt.
EINIGE STUDENTEN
Relegirt und exmittirt?
ANDERE
Excernirt und excludirt?
RECTOR
Alle – Alle relegirt!
WERNER
Relegirt von Bank und Schulden?
STUDENTENCHOR
Relegirt? O Schreckenswort!
Heidelberg, wir müssen fort!
Musenstadt, dir muss ich klagen
Was dein Strafgesetzbuch spricht:
Nachtigallen dürfen schlagen,
Doch Studenten dürfen's nicht.
WERNER
Herr Rector magnificus,
Bringt dem Carcer unsern Gruss:
Nimmer sperrt Ihr uns mehr ein,
Wollen freie Reiter sein!
CHOR DER STUDENTEN
Nimmer sperrt ihr uns mehr ein,
Wollen freie Reiter sein!
WERNER
Ja, freie Reiter! – Nun wohlan,
Gebt her das Kriegshorn, den Hut mit der Feder –
Mein Handgeld her! Bin Reitersmann
Und wohlbestallter Kriegstrompeter.
ALLE
Wohlauf, Kameraden, mit fröhlichem Muth,
Feinsliebchen im Herzen, die Feder am Hut,
Im goldgelben Wamms, mit dem Schwert in der Hand,
Auf wieherndem Rosse ins weite Land!
Wo Muth, da ist Kraft, und wo Kraft, da ist Macht;
Je dichter der Feind, desto heisser die Schlacht;
Je heisser die Schlacht, desto kühler 's Quartier:
Stets vorwärts weht lustig des Landsknechts Panier!
ERSTER AKT
Platz vor der Kirche St. Fridolini zu Säckingen.
Nr. 6 - Bauerntanz und Chor
CHOR
Der Hans schwingt die Liese, die Liese den Hans,
Juchheirassasa, die drehn sich beim Tanz; –
Hell tönet die Fiedel, und tief brummt der Baß,
Wie hebt das die Füße, wie lustig klingt das!
Der Schwarzwälder Bursch und die Höhgauer Maid,
Das giebt wohl ein Paar, daß das Herz sich dran freut;
Dem Burschen der Strauß und dem Mädel der Kranz,
Juchheisa, bald giebt's einen Hochzeitstanz!
Juchhe!
EINIGE ÄLTERE MÄNNER
Was fangt ihr so früh schon an?
Kann doch Abends Jedermann
Zu St. Fridolini Ehren
Noch genug den Tanzsaal kehren.
CHOR DER JUNGEN SÄCKINGER
O, Fridoline, Schutzpatron
Für alle jungen Leute,
Gegrüßt sei uns, du Nordlandssohn,
Dein schöner Festtag heute –
Gegrüßt im ersten Frühlingslicht,
Wo Welt und Herz die Rinde bricht
Und Alles blüht und sprießt:
Sei tausendmal gegrüßt,
O, heil'ger Fridoline!
CONRADIN
O, heil'ger Fridoline!
EINIGE JUNGE MÄDCHEN
Was seufzt Er, alter Landsknecht, denn,
Als ob ihm Lieb' im Herzen brenn'?
CONRADIN
O, heil'ger Fridoline,
Dem ich so gerne diene:
Warum gilt all dein Walten
Den Jungen nur? – Wir Alten
Sind doch auch nicht von Stein!
DIE JUNGEN MÄDCHEN
Ja, ja, das mag wohl sein!
Doch weise ist,
Wer nicht vergißt,
Wann für ihn Zeit zur Ruhe ist.
CONRADIN
Das nenn' ich mir doch Uebermuth!
Respect vor mir, du junge Brut! –
Glaubt ihr, der hohe Magistrat
Hat mich hierhergesetzt zum Staat? –
O nein, daß ich verständnißvoll
Euch Alle überwachen soll!
DIE JUNGEN MÄDCHEN
Ei, wahrlich eine schwere Pflicht;
Denn Alter schützt vor Thorheit nicht.
CONRADIN
Drum komm mal her, mein Käthchen,
Rothwangig Schwarzwaldmädchen,
Und gieb mir einen Schmatz,
Du süßer Herzensschatz!
CHOR DER HAUENSTEINER BAUERN
Was fällt dem alten Graukopf ein? –
Läßt er gleich das Charmiren sein!
CONRADIN
O, heil'ger Fridoline,
Ward bei der Liebe wettergrau:
Die Weiber kenn' ich ganz genau –
Wenn's keine Jungen für sie giebt,
Thun mit den Alten sie verliebt.
Drum halt' die Jungen mir vom Leib:
Möcht' auch noch meinen Zeitvertreib,
Und schenk' mir die Blondine,
O, heil'ger Fridoline!
CHOR
Der Hans schwingt die Liese, die Liese etc.
Nr. 7 - Ensemble und Rezitativ
DIE BAUERN
Das ist doch eine Sünd' und Schand!
Soldatenstand und Bauernstand,
Die passen nimmer zu einand.
CONRADIN
Ja, wir sind auch der Wehr stand,
Und ihr doch nur der Nährstand!
DIE BAUERN
Macht's auch wie unser Freiherr dort,
Der Vögte schickt von Ort zu Ort
Und alle Tage weiß ein Fest,
An dem er Steuern sammeln läßt.
Unser Land sei steuerfrei!
CONRADIN
Der Freiherr hat ganz Recht:
Der Bauer ist sein Knecht,
Den er vor Stolz und Ueberfluß
Stets väterlich behüten muß.
DIE BAUERN
Das ist so recht des Kriegsvolks Art,
Das stets sich um den Adel schaart; –
Doch bald heißt's: »Mitgegangen,
Darum auch mitgehangen.«
CONRADIN
Habt ihr's auf Landsknecht' abgesehn?
Hier seht ihr einen vor euch stehn,
Der Trutz dem Bauernvolke beut
Und solch Gesindel nimmer scheut.
DIE BAUERN
Verweg'ner Landsknecht, wehr' dich gut:
Der Bauernknüttel färbt mit Blut!
WERNER
Gemach, gemach, Freund Conradin!
Mußt du selbst bei Sanct Fridolin
Zum Raufen deine Klinge ziehn?
CONRADIN
Was seh' ich? Werner? Welche Freud'?
Du kommst mir just zur rechten Zeit:
Die Klinge 'raus! Hilf mir beim Streit!
WERNER
O nicht doch! Laß die Leute gehn,
Und freue dich, daß wir uns wiedersehn. –
CONRADIN
Kommst just zum Fest zur rechten Zeit.
WERNER
Das seh' ich, Freund! – Auf jedem Pfad
Der Strom der frohen Waller naht.
CONRADIN
Sanct Fridolini Fest ist heute,
Des Schutzpatrons der jungen Leute.
WERNER
Ich bin ja auch ein junges Blut
Mit frischem Sinn und keckem Muth:
Der Heil'ge mag mir gnädig sein!
Nr. 8 - Rezitativ, Ensemble und Duettino
WERNER
Viel bunte Nachen wiegt der Rhein –
Ei, wie das flaggt und weht!
CONRADIN
Nicht wahr?
WERNER
Und wen trägt jener dort?
CONRADIN
Ein Paar
Von wahrlich ganz verschied'ner Art.
WERNER
Wie sich mit Nacht der Morgen paart,
Schmiegt sich ans dunkle Trauerkleid
Der Andern eine junge Maid.
Sag an, wer ist das holde Bild,
Das wie ein Frühlingstraum so mild?
CONRADIN
Das ist des Freiherrn Töchterlein
Mit ihrer gestrengen Frau Base,
Der alten Gräfin Wildenstein.
WERNER
Nie ahnt' ich solcher Schönheit Wonne!
DIE SCHIFFSLEUTE
Macht Platz, ihr Bauern!
DIE BAUERN
Ei, wozu?
Hier hat der Bauer so viel Rechte,
Und mehr noch, als des Freiherrn Knechte.
Wir werden euch zum Trotze bleiben!
Laßt sehn! wer will uns hier vertreiben?
WERNER
Ich! – Weg, ihr Leute! Treibt ihr's so?
Ich will euch bessre Sitten lehren!
DIE BAUERN
Wart' nur, junger Spielmann,
Wollen die dich kennen lehren.
WERNER
Fürchtet nichts, ich biete Trutz,
Und vertraut euch meinem Schutz!
MARIA
Nehmet Dank! Ein braver Landsknecht,
Der bedrohte Frauen schützt!
WERNER
Ha, wie süß der Strahl der Freude
Jetzt aus ihren Augen blitzt!
Dankt mir nicht, mein holdes Fräulein!
That nicht mehr als meine Pflicht; –
Wollt ihr aber mich beglücken,
Unaussprechlich mich entzücken,
Schenkt mir ein Vergißmeinnicht
Aus dem Strauße, der euch schmückt.
MARIA
Wenn das Blümchen euch beglückt –
Von Herzen gern!
DIE BAUERN
Seht doch den Herrn!
Wie er mit dem Schloßfräulein
Thut so artig und so fein – –
Will der ein Trompeter sein?
GRÄFIN
Es ist empörend – dieses Volk! – Sagt an,
Wer aber ist der junge Mann
Von ritterlichem Wesen,
Der unser Schutz gewesen?
CONRADIN
Er nennt sich Werner, hohe Dame; –
Kirchhofer war des Mannes Name,
Der einst ihn bei Zigeunern fand
Und später dann nach sich benannt.
GRÄFIN
Wie? bei Zigeunern? Offenbar
War er doch nicht von ihrem Stamm! –
Mein Sohn wär' nun wohl auch so alt
Und von so lieblicher Gestalt,
Wär' er von solchen wilden Horden
Als Kind uns nicht gestohlen worden.
CONRADIN
Der machte sicher wohl mehr Staat
Als dieser schlichte Kamerad,
Der sonst ein Spielmann ohne Tadel.
GRÄFIN
Er war ja ganz mein Ebenbild –
Bis auf dies Mal am Arm mein Bild –
Und der nur Landsknecht, nicht von Adel!
Maria!
WERNER
O, Maria!
Im Himmel und auf Erden
Des schönsten Namens Klang!
GRÄFIN
O komm! Was weilst du hier so lang?
MARIA
Wollt' nur nicht ungeduldig werden?
Kommt, laßt uns in die Kirche gehn
Und uns vom Heil'gen Glück erflehn!
Nr. 9 - Finale (Der Kirchgang)
CHOR
O, heil'ger Fridoline,
Sei uns gebenedeit!
Schenk' unsern Fluren Segen
Und Sonnenschein und Regen
Zur rechten Zeit.
CONRADIN
O, heil'ger Fridoline,
Was hast du angericht't!
Ein Fräulein den Trompeter –
Das sieht doch wohl ein Jeder:
Das geht doch nicht!
CHOR
O, heil'ger Fridoline,
Du Schutz der Christenheit,
Gieb Liebe unsern Herzen
Und sei in Lust und Schmerzen
Gebenedeit!
WERNER
Maria, o Maria,
Du wundersame Maid,
Aus deines Auges Sonne
Lacht nun erst mir die Wonne
Der Frühlingszeit.
VERWANDLUNG
Zimmer
Nr. 10 - Die Arie vom Zipperlein
FREIHERR
Da schlage doch das Wetter drein,
In das verdammte Zipperlein,
Daß ich mit meinem Hinkefuß
Nun hier im Lehnstuhl sitzen muß,
Es gab wohl eine schöne Zeit,
Da war es anders noch als heut'; –
Da jagt' ich durch die weite Welt,
Flink wie der Hirsch durchs Aehrenfeld,
Und manches holde Aeugelein
Das winkte hell wie Sonnenschein
Von ferne schon dem Reitersmann –
Doch heut' – was fang' ich heute an?
Da ward der alte Lehnstuhl mir
Zum unfreiwilligen Quartier,
Es meint wohl mancher lästerlich –
Und das ist doch ganz lächerlich! –
Das sollt' vom Wein gekommen sein, –
Der Hinkefuß von solchem Wein!
's war freilich stets mein stilles Glück,
Von jeder Rheinweinsort' ein Stück
Zu sehn in meinem Keller,
Und zu probiren früh und spät,
Wie es mit jedem Jahrgang steht –
Zumal beim Muskateller!
Das ist nun 'mal mein Lieblingswein
Und wird's trotz dir, o Zipperlein,
Bis an mein sel'ges Ende sein –
Bis an mein sel'ges Ende! –
Dann falt' ich still die Hände
Und sag': »Es muß geschieden sein,
Schenkt nochmals Muskateller ein!«
O Podagra, o Chiragra,
Dann ist es auch mit euch tralla!
Das bleibt mein Trost in dieser Welt,
Wenn's noch so schlecht mit mir bestellt!
Nr. 11 - Rezitativ, Melodram und Ariette
FREIHERR
Das kommt vom Grafen Wildenstein! –
Laß mir den Boten selbst herein,
Die Antwort ihm zu sagen.
Hm! was will er?
»Alter Freund!
Meine Frau ist jüngst gestorben,
Und ich will den alten Streit
Mit der Gräfin, deiner Schwäg'rin,
Die mein erst Gemahl gewesen,
Noch vor meinem Ende schlichten!«
Bravo! Bravo! das ist redlich!
Kennne d'ran den biedern Landsknecht
Und den alten Kameraden!
»Ausgehn darf kein edler Stamm; –
Darum macht' ich mir ein Plänchen! –
Sag', du hast doch eine Tochter,
Und ich habe einen Sohn; –
Beide sind von gutem Adel
Und gewiß d'rum ohne Tadel,
Und ich dachte lange schon
Wenn ich nun mit Damian käme
Und der deine Tochter nähme?«
Donnerwetter! – kurz, soldatisch
Und dabei doch diplomatisch –
Das gefällt mir! Hei – juchhei!
Ei, da bin ich gleich dabei!
»Au! ja so!«
So reite zurück in dein Donauthal
Und grüße den Freund mir viel tausendmal,
Und sag' ihm, er möge nur kommen,
Sein Antrag sei angenommen!
Und sag' ihm, ich könnt es ihm schreiben nicht,
Weil meine Rechte lähmte die Gicht:
Doch mög' er just am ersten Mai,
Zu meinem Geburtstag, erscheinen,
Daß dadurch um so größer sei
Die Freude für die Meinen,
Die ich dann überraschen will:
Drum schweig mir über Alles still! –
Ins Schloß kommt ein Freier
Von gräflichem Blut,
Da schmeckt mir's zur Feier
Noch einmal so gut!
Ihr einsamen Räume,
Bald kehrt euch zurück
Statt alternder Träume
Nun bräutliches Glück.
Nr. 12 - Terzett
MARIA
Zürne nicht' mein Väterchen,
Daß wir dich allein gelassen.
FREIHERR
Nein, ich hab indeß mein Pfeifchen
Recht von Herzen dampfen lassen.
Weiß ja schon, euch Frauenzimmer
Sieht man wiederkehren nimmer,
Ließ man euch zum Feste gehn.
GRÄFIN
Freilich konnt' es leicht gescheh'n,
Daß Ihr nimmer uns gesehen;
Denn die Hauensteiner Bauern,
Die mit Euch im Zwiste stehen,
Schienen uns dort aufzulauern.
FREIHERR
Dies Gesindel – diese Bande!
Ha! das ist doch eine Schande!
Nicht die Frauen auf den Gassen
Mehr in Sicherheit zu lassen!
Hätt' ich nicht das Zipperlein,
Haut' ich heut' noch auf sie ein.
Ach, wie fehlt dem alten Stamme
Doch so sehr ein frisches Reis? –
Töchterchen, 's wird hohe Zeit,
Einen Schirmherrn dir zu suchen.
MARIA
Väterchen, der wird sich finden; –
Vielleicht schneller, als wir's ahnen!
FREIHERR
Rings Empörung, drohn Gefahren
Uns im schwach besetzten Schlosse.
Kann nicht mal ein Zeichen geben,
Wenn man uns hier überfiel,
Den Verbündeten im Städtchen,
Meiner alten Landsknechtrotte;
Denn mein treuer Schloßtrompeter,
Der mir oft die Grillen wegblies,
Ging auch jüngst zu seinen Vätern,
Und verlassen sitz' ich hier.
MARIA
Einen prächtigen Trompeter
Wüßt' ich, Väterchen, für dich!
GRÄFIN
Meinst doch den nicht, der beim Feste
Vor den Bauern uns beschützt?
MARIA
Ja, Frau Base, er allein
Soll hier Schloßtrompeter sein!
's ist ein Spielmann ohne Tadel.
GRÄFIN.
Nein, Herr Schwager, folget mir!
Der paßt ganz und gar nicht hier
In dies Haus von altem Adel.
FREIHERR
Ei, das Blasen der Signale
Lernt man nicht im Ahnensaale;
Dient uns redlich nur der Mann,
Was geht uns sein Wappen an?
GRÄFIN
Nein, Herr Schwager, folget mir:
Der paßt ganz und gar nicht hier.
MARIA
Väterchen, glaub' mir!
GRÄFIN
Glaubt mir!
MARIA
Nur zum Besten rath' ich dir.
Ach, er ist so nett und fein –
Der muß dein Trompeter sein!
GRÄFIN
Nein, Herr Schwager, nein, nein, nein!
Meine Schwester, die hochselig,
Aergerte gewiß sich schmählich.
FREIHERR
O mein Gott, auch die Hochseligen
Sollen noch dies Schloß befehligen!
Nr. 13 - Rezitativ, Notturno und Lied
FREIHERR
Wenig Dank wißt ihr dem Retter,
Der Euch barg vor Bauernwuth.
Seltsam! einst, im Schlachtenwetter,
Opferte sein treues Blut
Auch ein Spielmann mir – aufs Neue
Denk' ich heute seiner Treue!
Spielmannstreue lebe hoch!
Ha! wer bläst dort unten am Rhein?
Das klingt ja, als wollte noch unter dem Rasen
Mein Schloßtrompeter sein Leibstück mir blasen!
MARIA
Das kann nur der hübsche Trompeter sein!
GRÄFIN
Das kann nur der kecke Trompeter sein!
MARIA
Er ist's! – er ist's! Ich erkenne ihn wieder!
Schwer nickt ihm die Feder vom Hute nieder.
»Wie stolz und stattlich geht er!
Wie adlich ist sein Muth!
Er ist nur ein Trompeter,
Und doch bin ich ihm gut.
Und hätt' er sieben Schlösser,
Er säh' nicht schmucker drein,
– Ach Gott, und doch wär's besser,
Er würd' ein And'rer sein!
Ach wär' er doch ein Ritter,
Ein Ritter vom gold'nen Vliess!
– O Lieb, wie bist du bitter,
O Lieb, wie bist du süss!«
Vater, jetzt naht er des Schloßparks Stufen!
FREIHERR
So sende hinunter und lass' ihn mir rufen!
GRÄFIN
Aber, aber, mein Herr Schwager,
Solchen fremden jungen Mann
Nehmt nicht gleich in Eure Dienste –
Seht ihn Euch erst näher an.
FREIHERR
Freilich, freilich, Schwägerin,
Müßt' er sein nach meinem Sinn;
Denn zu meinem Schloßtrompeter
Paßt in uns'rer Zeit nicht Jeder.
GRÄFIN
Viel zu jung ist er dazu.
FREIHERR
Ach, das läßt mich wohl in Ruh' –
GRÄFIN
Na, wenn Ihr nicht hören wollt,
Ihr vielleicht noch fühlen sollt.
MARIA
Väterchen, er kommt! – er kommt
Schon herauf die Treppen;
Höre auf den Stufen schon
Seinen Degen schleppen.
MARIA
Ha, da ist er! Welche Freude!
Ach, wie klopft mein Herz so laut!
Ist es Dank nur, ist es Liebe,
Daß es jubelt, wenn's ihn schaut?
WERNER
Ha, da ist sie! Welche Schönheit!
Blendet mich der Sonne Licht?
Niemals sah von solcher Anmuth
Leuchten ich ein Angesicht!
FREIHERR
Ha, da ist er! Kreuz Schwadronen,
's ist ein hübscher Bursch fürwahr!
Gluth im Auge, Muth im Herzen,
Wie's einst meine Sorte war!
Nr. 14 - Quartett, Lied und Finale
GRÄFIN
Ha, da ist er! Welche Kühnheit!
Bis ins Schloß verfolgt er sie! –
Ach! mein Schwager wird's bereuen:
Solchen Landsknecht sah ich nie.
WERNER
Herr Oberst, Ihr ließet mich rufen; –
Ich folgte Eurem Befehl!
FREIHERR
Ich wollt' Euch kennen lernen
Und mache d'raus kein Hehl! –
Habt diese beiden Damen,
Die von den Bauern bedroht,
Als sie zum Feste kamen,
Recht brav beschützt in der Noth, –
Nehmt Dank!
WERNER
Herr Oberst, dankt mir nicht!
Das war nicht mehr als Mannespflicht.
FREIHERR
Bescheidenheit und Tapferkeit
Sind nicht beisammen jederzeit:
Herr Spielmann, wohl gefällt mir das!
Kommt, setzt Euch zu mir! – Kind ein Glas.
MARIA
Laßt Euch den Trunk bekommen!
FREIHERR
Ja seid bei uns willkommen!
WERNER
Ihr heißet mich willkommen –
Ein Fremdling bin ich hier,
Unstät im Süd und Norden
Durchstreift' ich das Revier.
Im Süden Duft und Blüthen,
Im Norden Eis und Schnee,
Doch überall im Herzen
Der Sehnsucht stilles Weh.
Was ahnungsvoll ich suchte
Und dennoch nirgends fand,
Sah endlich nun mein Auge
In diesem schönen Land.
FREIHERR
Ich freue mich, daß Euch die Welt
Am Rheine hier bei uns gefällt; –
Drum kommen wir 'mal gleich zum Ziel,
Denn wißt, ich rede nicht gern viel! –
Ich brauche einen Schloßtrompeter –
Mein alter sank mir jüngst ins Grab;
Doch kann, mein junger Freund, nicht Jeder,
Was ich für ihn zu schaffen hab'.
Wird nicht nur allarmiren müssen,
Wenn diesem Schloß Gefahren drohn,
Muß auch noch manches Andre wissen:
Zum Beispiel, oft für Extralohn
Musik mit meiner Tochter treiben
Und zierlich für sie Noten schreiben.
WERNER
Fürwahr, Herr, das bedaur' ich sehr:
Allein ich bin kein Schreiber mehr.
Hab' nur noch Roß und Schwert geführt
Und keine Feder angerührt,
Seit als Student ich relegirt.
FREIHERR
Potz Element! Ihr habt studirt?
WERNER
Zu Heidelberg.
FREIHERR
Ei was?
War auch mal dort beim großen Faß
Erzählt mir doch: ist noch viel drin?
Und wie geht's Eurer Kurfürstin?
WERNER
Die Kurfürstin glänzt wie ein Edelstein,
Und goldig fließt aus dem Fasse der Wein.
FREIHERR
Da muß es noch herrlich zu Heidelberg sein!
WERNER
Gewiß!
»Alt Heidelberg, du feine,
Du Stadt an Ehren reich, –
Am Neckar und am Rheine
Kein' andre kommt dir gleich!«
FREIHERR
Das mein ich auch! – Ein schönes Lied!
Wie Rebengrün lacht's ins Gemüth!
Ihr scheint als echter Musikant
Frau Musika mir hoch zu ehren
Und werdet sicher recht gewandt
Darin auch nun mein Kind belehren.
WERNER
Ach, edler Herr, Ihr ehrt mich sehr –
FREIHERR
Und doch wird Euch das Jawort schwer?
WERNER
Maria! O, welch süßes Glück!
Ich muß! – ich kann nicht mehr zurück!
GRÄFIN
Ha! welches Glück in ihrem Blick; –
Umsonst beschwor ich das Geschick!
MARIA
Weiht' ihm ein schön Dukatenstück,
Drum bringt Sanct Fridolin mir Glück!
FREIHERR
Stoßt an! entschließt Euch auf gut Glück!
Schön klang mir Euer Probestück!
WERNER
Wohl, edler Herr, ich geh' drauf ein,
Will Euer Schloßtrompeter sein,
Fortan mit Leib und Leben
Nur Eurem Dienst ergeben.
FREIHERR
Schlag', junger Spielmann, nun d'rauf ein:
Sollst unser Schloßtrompeter sein,
Fortan mit Leib und Leben
Nur unserm Dienst ergeben.
MARIA
Ach, welches Glück! Er geht d'rauf ein,
Will unser Schloßtrompeter sein,
Fortan mit Leib und Leben
Nur uns allein ergeben!
GRÄFIN
O weh, o weh! Er drauf ein
Und will hier Schloßtrompeter sein!
Das wird was Schönes geben!
Was muß ich noch erleben!
FREIHERR, WERNER UND MARIA
Heil dir, du holde Spielmannskunst,
Zeig uns von Neuem deine Gunst; –
Im Schlosse hier, im alten,
Soll nun dein Zauber walten;
Und wieder tön' es fern und nah:
Heil dir, Heil dir, Frau Musica!
GRÄFIN
O trauet nicht der Spielmannskunst,
Stets warb sie um der Frauen Gunst,
Und wie einst bei uns Alten,
Wird sie's auch jetzt noch halten.
An allem Unglück, das geschah,
Trug stets die Schuld Frau Musica!