Ouvertüre
Prolog
FALKE
ERSTER AKT
Ein Zimmer im Hause Eisensteins
ALFRED
hinter der Szene
Täubchen, das entflattert ist,
stille mein Verlangen,
Täubchen, das ich oft geküßt,
laß dich wieder fangen!
Täubchen, holdes Täubchen mein,
komm, o komm geschwinde,
sehnsuchtsvoll gedenk' ich dein,
holde Rosalinde.
sehnsuchtsvoll gedenk' ich dein,
holde Rosalinde.
ADELE
betritt das Zimmer, einen Brief in der Hand
Hahahaha! Ach
Da schreibt meine Schwester Ida,
die ist nämlich beim Ballett:
„Wir sind heut' auf einer Villa,
wo es hergeht flott und nett.
Prinz Orlofsky, der feine Offizier,
gibt heute abend dort ein grand Souper.
Kannst du dir eine Toilette
von deiner Gnäd'gen annexieren
und elegant dich präsentieren,
so will ich gern dich ein dort führen;
mach dich frei nur, und ich wette,
du wirst gut dich amüsieren;
Langeweile gibt es nie da!“
So schreibt meine Schwester Ida.
Ach, ich glaub's, ich zweifle nicht,
wär' gar zu gern von der Partie,
doch recht schwierig ist die G'schicht!
Könnt' ich nur fort, wüßt' ich nur wie?
wüßt' ich nur wie?
Ach, wenn ich jenes Täubchen wär',
fliegen könnte hin und her,
mich in Wonne und Vergnügen
in dem blauen Äther wiegen,
ach, warum schufst du Natur
mich zur Kammerjungfer nur?
mich zur Kammerjungfer nur?
ROSALINDE
ADELE
ROSALINDE
ADELE
ROSALINDE
ADELE
ROSALINDE
ADELE
ROSALINDE
ADELE
ROSALINDE
ADELE
ADELE
Ach, ich darf nicht hin zu dir!
ROSALINDE
Du darfst heut' nicht zu ihr,
ADELE
Und du sehnst dich so nach mir,
ROSALINDE
und wenn sie sich auch sehnt nach dir.
ADELE
deiner heißgeliebten Nichte,
ROSALINDE
Wohl traurig klingt die G'schichte
ADELE
gar zu traurig ist die G'schichte.
ROSALINDE
von der geliebten Nichte.
ADELE
Ach, warum schuf die Natur
ROSALINDE
Ja, warum schuf die Natur
ADELE
mich zur Kammerjungfer nur?
ROSALINDE
dich zur Kammerjungfer nur!
ADELE
mich zur Kammerjungfer nur?
ROSALINDE
ALFRED
ROSALINDE
ALFRED
ROSALINDE
ALFRED
ROSALINDE
ALFRED
ROSALINDE
ALFRED
ROSALINDE
ALFRED
ROSALINDE
ALFRED
ROSALINDE
EISENSTEIN
Nein, mit solchen Advokaten ist
verkauft man und verraten,
da verliert man die Geduld!
ROSALINDE
Nur Geduld!
BLIND
Nur Geduld!
EISENSTEIN
Statt, daß jetzt die Sach' beendet,
hat's noch schlimmer sich gewendet,
und daran ist der nur schuld.
BLIND
Wer ist schuld?
ROSALINDE
Der ist schuld?
Der wäre schuld?
EISENSTEIN
Ja, der ist ganz allein nur schuld!
ROSALINDE
Der Herr Notar?
BLIND
Das ist nicht wahr!
EISENSTEIN
Du wirst schon seh'n!
ROSALINDE
Was ist gescheh'n?
Erkläre dich!
EISENSTEIN
So höre mich!
BLIND
Nein, erst will ich verteid'gen mich!
EISENSTEIN
Ersparen Sie sich diese Müh',
So etwas ist nicht zu verteid'gen!
BLIND
Mir scheint, Sie wollen mich beleid'gen!
ROSALINDE
Nur ruhig Blut! Warum die Wut?
EISENSTEIN
Der Herr Notar schwatzt wie ein Star!
BLIND
Herr Eisenstein fing an zu schrei'n.
EISENSTEIN
Sie stottern ja bei jedem Wort!
BLIND
Sie schimpfen ja in einem fort!
EISENSTEIN
Sie krähen wie ein Hahn!
BLIND
S-sie sind ein Grobian!
EISENSTEIN
Sie sind ein Blödian!
BLIND
Sie sind sehr inhuman!
EISENSTEIN
Sie reden lauter Lebertran
und dreh'n sich wie ein Wetterhahn.
BLIND
Sie rasen wie im Fieberwahn
und kollern wie ein Puterhahn!
ROSALINDE
Doch schone dein Organ,
es sei nun abgetan.
Das beste wär', Sie geh'n hinaus –
sonst wird noch ein Skandal daraus.
EISENSTEIN
Ja, sie hat recht, geh'n Sie hinaus,
sonst wird noch ein Skandal daraus!
BLIND
Nein, diesen Ton hält man nicht aus!
Ich geh' hinaus!
ROSALINDE
Das beste ist, Sie geh'n hinaus!
Das beste wär', Sie geh'n hinaus!
Das beste wär', Hinaus, hinaus!
EISENSTEIN
Ja, gehen Sie, da ist die Tür,
hinaus, hinaus!
BLIND
Ich gehe schon ja, ja, ich geh'
aus diesem Haus!
ROSALINDE
Beruh'ge endlich diese Wut;
verurteilt bist du, nun denn gut!
Ergib dich drein, und nach fünf Tagen,
schon nach fünf Tagen ist
die G'schichte abgemacht.
EISENSTEIN
Fünf Tage, sagst du? Jetzt sind's gar acht!
Man hat mir drei dazu geschlagen –
so weit hat's dieser Mensch gebracht.
Noch heute soll ich stellen mich,
und komm' ich nicht, so holt man mich!
ROSALINDE
Das ist zu stark, das muß ich sagen!
EISENSTEIN
Nicht wahr?
ROSALINDE
Ach, mein armer, armer Mann,
noch heute also mußt du dran?
Was kann ich dir zum Troste sagen?
Wie soll ich das ertragen?
EISENSTEIN
Ach, mit solchen Advokaten
ist verkauft man und verraten!
Da verliert man die Geduld!
ROSALINDE
Und daran ist der nur schuld!
BLIND
Wer ist schuld?
ROSALINDE
Sie sind schuld!
EISENSTEIN
Der ist ganz allein nur schuld!
BLIND
Wenn Sie nur erst wieder frei,
prozessieren wir aufs neu,
und ich werde Ihnen dann
schon zeigen, was ich kann!
Rekurrieren, appellieren,
reklamieren, revidieren,
rezipieren, subvertieren,
devolvieren, involvieren,
protestieren, liquidieren,
exzerpieren, extorquieren,
arbitrieren, resümieren!
EISENSTEIN
Hör'n Sie auf, 's ist genug!
BLIND
… Exkulpieren, inkulpieren,
ROSALINDE
Hör'n Sie auf, 's ist genug!
BLIND
kalkulieren, konzipieren,
ROSALINDE
Hör'n Sie auf, 's ist genug!
BLIND
und Sie müssen triumphieren!
ROSALINDE
Ob Sie Berge von Papieren
auch dabei zusammen schmieren,
Sie werden schließlich sich blamieren,
ja, ach ja, blamieren!
EISENSTEIN
Wenn Sie jetzt nicht retirieren,
muß ich Sie hinaus bugsieren,
und vielleicht noch schließlich attackieren!
Muß ich Sie hinaus bugsieren!
BLIND
Rekurrieren, appellieren,
reklamieren, revidieren,
rezipieren, subvertieren,
devolvieren, involvieren,
protestieren, liquidieren,
exzerpieren, extorquieren,
Ja, Sie werden triumphieren,
triumphieren sicherlich!
ROSALINDE
Ach, mit solchen Advokaten
ist man übel oft beraten,
und fürwahr, man braucht Geduld!
ja Geduld!
EISENSTEIN
Nein, mit solchen Advokaten
ist verkauft man und verraten,
und verliert man die Geduld!
die Geduld!
BLIND
Ach, wir armen Advokaten,
sollen immer helfen, raten,
dazu braucht man viel Geduld!
viel Geduld!
ROSALINDE
Statt daß jetzt die Sach' beendet,
hat's noch schlimmer sich gewendet,
und nur der allein ist schuld!
der ist schuld, der ist schuld,
der ist schuld, der ist schuld!
EISENSTEIN
Statt daß jetzt die Sach' beendet,
hat's noch schlimmer sich gewendet
und daran ist der nur schuld!
der ist schuld, der ist schuld,
der ist schuld, der ist schuld!
BLIND
Statt daß jetzt die Sach' beendet,
hat's noch schlimmer sich gewendet,
und daran sind Sie nur schuld!
Sie sind schuld, Sie sind schuld,
Sie sind schuld, der ist schuld!
BLIND
EISENSTEIN
BLIND
EISENSTEIN
BLIND
ROSALINDE
EISENSTEIN
ROSALINDE
EISENSTEIN
ROSALINDE
EISENSTEIN
ROSALINDE
DIENER
FALKE
ROSALINDE
FALKE
EISENSTEIN
FALKE
EISENSTEIN
FALKE
EISENSTEIN
FALKE
EISENSTEIN
FALKE
EISENSTEIN
FALKE
EISENSTEIN
FALKE
EISENSTEIN
FALKE
EISENSTEIN
FALKE
EISENSTEIN
FALKE
EISENSTEIN
FALKE
Komm mit mir zum Souper,
es ist ganz in der Näh'!
Eh' du in der stillen Kammer
laborierst am Katzenjammer,
mußt du dich des Lebens freu'n,
ein fideler Bruder sein!
Ballerinen leicht beschwingt,
in den blendendsten Toiletten,
fesseln dich mit Rosenketten,
wenn die Polka lockend klingt!
Freundchen, glaub' mir, das verjüngt!
Bei rauschenden Tönen
im blendenden Saal,
mit holden Sirenen
beim Göttermahl,
da fliehen die Stunden
in Lust und Scherz,
da wirst du gesunden
von allem Schmerz:
Soll dir das Gefängnis nicht schädlich sein,
Mußt du etwas tun, dich zu zerstreuen!
Siehst du das ein?
EISENSTEIN
Das seh' ich ein!
FALKE
Siehst du das ein?
EISENSTEIN
Das seh' ich ein!
FALKE
Siehst du das ein?
EISENSTEIN
Doch meine Frau, die darf nichts wissen.
FALKE
Du wirst zum Abschied zärtlich sie küssen,
sagst Lebewohl, mein süßes Kätzchen!
EISENSTEIN
Nein, nein! Mein Mauserl, sage ich,
mein süßes Mauserl!
FALKE
Süßes Mauserl!
EISENSTEIN
Denn als Katze schleich' ich selbst
aus dem Hause mich.
FALKE
Denn als Katze schleichst du selbst
aus dem Hause dich.
Und während sie schläft ganz fest,
gehst du, statt in deinen Arrest,
mit mir zu dem himmlischen Fest!
BEIDE
Mit dir/mir zu dem himmlischen Fest!
FALKE
Ich führe dich ein als Fremden:
Marquis Renard sollst du dort sein!
So wird man nichts erfahren können;
willst du?
EISENSTEIN
Ach, ich wär' schon erbötig …
FALKE
Du mußt!
EISENSTEIN
… wenn nur …
FALKE
Du mußt dir's vergönnen,
zur Gesundheit ist's ja nötig.
EISENSTEIN
Ja, ich glaub', du hast recht,
die Ausred' ist nicht schlecht!
FALKE
Soll dir das Gefängnis nicht schädlich sein,
EISENSTEIN
Soll mir das Gefängnis nicht schädlich sein,
muß ich etwas tun, mich zu zerstreu'n!
FALKE
mußt du etwas tun, dich zu zerstreu'n!
So kommst du?
EISENSTEIN
Wer kann widersteh'n?
Ja, ich bin dabei!
FALKE
Zum Teufel mit deiner Leimsiederei!
BEIDE
Ein Souper uns heute winkt,
wie noch gar keins dagewesen,
schöne Mädchen auserlesen;
zwanglos dort man lacht und singt!
Lalala, lalala, usw.
ROSALINDE
FALKE
ROSALINDE
EISENSTEIN
ROSALINDE
EISENSTEIN
ROSALINDE
EISENSTEIN
ROSALINDE
FALKE
ROSALINDE
FALKE
ROSALINDE
ADELE
ROSALINDE
ADELE
ROSALINDE
ADELE
ROSALINDE
ADELE
ROSALINDE
ADELE
ROSALINDE
ADELE
ROSALINDE
ADELE
ROSALINDE
EISENSTEIN
ROSALINDE
EISENSTEIN
ROSALINDE
EISENSTEIN
ROSALINDE
EISENSTEIN
ROSALINDE
EISENSTEIN
ROSALINDE
EISENSTEIN
ROSALINDE
EISENSTEIN
ROSALINDE
EISENSTEIN
Ermanne dich, Weib, ermanne dich!
ROSALINDE
So muß allein ich bleiben
acht Tage ohne dich!
Wie soll ich dir beschreiben
mein Leid, so fürchterlich!
Wie werd' ich es ertragen,
daß mich mein Mann verließ?
Wem soll mein Leid ich klagen,
o Gott, wie rührt mich dies!
Ich werde dein gedenken
des Morgens beim Kaffee,
wenn ich dir ein will schenken,
die leere Tasse seh',
kann keinen Gruß dir winken,
aus Jammer werd' ich g'wiß
ihn schwarz und bitter trinken.
Ach!
EISENSTEIN
O Gott, wie rührt mich dies!
ALLE DREI
O Gott, wie rührt mich dies!
O je, o je, wie rührt mich dies!
O je, o je, wie rührt mich dies!
O je, o je, wie rührt mich dies!
O je, wie rührt mich dies! usw.
ROSALINDE
Wo bleibt die traute Gruppe,
kommt Mittag dann heran!
Zum Rindfleisch – wie zur Suppe –
zum Braten – keinen Mann!
Und sinkt der nächt'ge Schleier,
gibt's wieder mir 'nen Riß,
mein Schmerz wird ungeheuer!
ALLE DREI
O je, o je, wie rührt mich dies!
O je, o je, wie rührt mich dies!
O je, o je, wie rührt mich dies!
O je, wie rührt mich dies! usw.
EISENSTEIN
Was soll das Klagen frommen?
Den Kopf verlier' ich schier!
ROSALINDE
Mein Kopf ist ganz benommen!
ADELE
Der meine ist ganz wirr!
EISENSTEIN
Leb' wohl, ich muß nun gehen!
ROSALINDE, ADELE
Leb' wohl, du/er mußt/muß nun gehn,
doch bleibt ein Trost so süß!
EISENSTEIN
doch bleibt ein Trost so süß!
ADELE
Es gibt ein Wiedersehen!
Es gibt ein Wiedersehen!
ALLE DREI
Es gibt ein Wiedersehen!
O Gott, wie rührt mich dies!
O Gott, wie rührt mich dies!
O je, o je, wie rührt mich dies!
O je, o je, wie rührt mich dies!
O je, o je, wie rührt mich dies!
O je, wie rührt mich dies! usw.
wie rührt mich dies, wie rührt mich dies,
wie rührt mich dies,.
ROSALINDE
ALFRED
ROSALINDE
ALFRED
ROSALINDE
ALFRED
ALFRED
Trinke, Liebchen, trinke schnell,
trinken macht die Augen hell.
Sind die schönen Äuglein klar,
siehst du alles licht und wahr.
Siehst, wie heiße Lieb' ein Traum,
der uns äffet sehr,
siehst, wie ew'ge Treue Schaum,
so was gibt's nicht mehr!
Flieht auch manche Illusion,
die dir einst dein Herz erfreut,
gibt der Wein dir Tröstung schon
durch Vergessenheit!
Glücklich ist, wer vergißt,
was doch nicht zu ändern ist.
Glücklich ist, wer vergißt,
was doch nicht zu ändern ist.
Kling, kling,
sing, sing, sing,
trink mit mir, sing mit mir, lalala,
sing, sing, sing,
trink mit mir, sing mit mir,
sing, sing, sing,
ROSALINDE
Ah, Was tut man hier?
BEIDE
Glücklich ist, wer vergißt,
was doch nicht zu ändern ist.
Glücklich ist, wer vergißt,
was doch nicht zu ändern ist.
ROSALINDE
Er geht nicht von hinnen,
schläft hier wohl noch ein;
was soll ich beginnen?
ALFRED
Stoß an!
ROSALINDE
Nein, nein, nein, nein!
ALFRED
Stoß an!
ROSALINDE
Nein, nein, nein, nein!
ALFRED
Ach! Trinke, Liebchen, trinke schnell,
trinken macht die Augen hell!
Mach' doch nur kein bös' Gesicht,
sei hübsch lustig, grolle nicht!
Brachst du einmal auch die Treu',
das sei dir verzieh'n;
schwöre wieder mir aufs neu',
und ich glaube kühn!
Glücklich macht uns Illusion,
ist auch kurz die ganze Freud';
sei getrost, ich glaub' dir schon,
und bin glücklich heut'.
BEIDE
Glücklich ist, wer vergißt,
was doch nicht zu ändern ist.
Glücklich ist, wer vergißt,
was doch nicht zu ändern ist.
ROSALINDE
Ich höre Stimmen; man spricht unten! Weh mir!
Hören Sie, man kommt die Treppe herauf!
ALFRED
Das geniert mich nicht!
ROSALINDE
Himmel, welche Lage!
FRANK
öffnet die Tür, zum Amtsdiener
Bleibt nur noch vorläufig draussen!
tritt ein
Erschrecken Sie nicht, gnädige Frau,
ich bin Gefängnisdirektor Frank
und kann mir das Vergnügen nicht versagen,
Ihren renitenten Herrn Gemahl persönlich
in sein Stilleben zu geleiten.
ROSALINDE
Aber mein Gemahl ist ja gar nicht …
ALFRED
Trinke, Liebchen, trinke schnell,
trinken macht die Augen hell!
ROSALINDE
leise, zu Alfred
So schweigen Sie doch, wir sind nicht allein!
ALFRED
Das geniert mich nicht!
Kling, kling, sing, sing, sing,
trink mit mir, sing mit mir!
FRANK
Mein Wagen wartet unten;
ich hoffe, Sie werden keinen weiteren Widerstand leisten.
ALFRED
Nein! Glücklich ist, wer vergißt,
was doch nicht zu ändern ist.
FRANK
Hahaha! Ganz recht!
Ich sehe, Sie fassen die Sache von der humoristischen Seite auf.
ALFRED
Trink mit mir, sing mit mir,
sing, sing, sing!
FRANK
Meinetwegen.
BEIDE
Glücklich ist, wer vergißt,
was nicht mehr zu ändern ist.
Glücklich ist, wer vergißt,
was nicht mehr zu ändern ist.
FRANK
Sie seh'n, ich kann auch gemütlich sein.
Nun kommen Sie, mein Herr von Eisenstein!
ROSALINDE
für sich
Was soll ich tun? O, welche Pein!
ALFRED
Ich bin nicht Herr von Eisenstein,
Bin nicht der, den Sie suchen!
FRANK
Sie sind es nicht?
ALFRED
Zum Wetter, nein!
FRANK
Nur Ruhe, nicht gleich fluchen!
ROSALINDE
zu Alfred
Sie müssen jetzt mein Gatte sein!
FRANK
beiseite
Sollt' ich hier hintergangen sein?
ROSALINDE
Mein Herr, was dächten Sie von mir,
säß' ich mit einem Fremden hier –
das wär' doch sonderbar!
Mit solchen Zweifeln treten da
Sie wahrlich meiner Ehr' zu nah,
beleid'gen mich fürwahr.
Spricht denn diese Situation
hier nicht klar und deutlich schon?
Mit mir so spät, im Tête-à-tête,
ganz traulich und allein,
in dem Kostüm, so ganz intim,
kann nur allein der Gatte sein!
ALLE DREI
Mit ihr/mir so spät
im Tête-à-tête,
ganz traulich und allein,
in dem Kostüm, so ganz intim,
kann nur allein der Gatte sein!
ROSALINDE
Gleich einem Pascha fanden Sie
ihn, mir im Schlafrock vis-à-vis,
die Mütze auf dem Haupt.
Daß man bei solchem Bilde noch
ein wenig zweifeln könnte doch,
das hätt' ich nie geglaubt.
Sehen Sie nur, wie er gähnt,
wie er sich nach Ruhe sehnt.
Mit mir so spät, im Tête-à-tête,
schlief er beinah schon ein;
so ennuyiert – und so blasiert –
kann nur allein ein Ehmann sein.
ALLE DREI
Im Tête-à-tête
mit mir/ihr so spät,
schlief er/ich beinah schon ein;
so ennuyiert – und so blasiert –
kann nur allein ein Ehmann sein.
FRANK
Nein, nein, ich zweifle gar nicht mehr,
doch da ich fort nun muß,
so geben Sie, ich bitte sehr,
sich schnell den Abschiedskuß!
ROSALINDE
Den Abschiedskuß?
ALFRED
Den Abschiedskuß?
FRANK
Den Abschiedskuß!
ROSALINDE
Nun denn, wenn es sein muß,
da haben Sie den Kuß!
ALFRED
Soll ich schon brummen müssen
für Ihren werten Herrn Gemahl,
kann ich für ihn auch küssen,
komm, Weibchen, küß mich noch einmal!
FRANK
Mein Herr, ich bin etwas pressiert,
da heut' ich selbst noch invitiert;
drum lassen Sie uns geh'n,
ja, lassen endlich Sie uns geh'n!
ROSALINDE
Sie finden gewiß dort meinen Gemahl.
ALFRED
Wir brummen vielleicht in dem selben Lokal.
ROSALINDE
O, schonen Sie mich!
ALFRED
Ganz sicherlich!
ROSALINDE
Ach, schonen Sie mich!
ALFRED
Ganz sicherlich!
FRANK
Folgen Sie nun schnell,
der Wagen ist zur Stell',
drum fort, drum fort nur schnell!
Mein schönes, großes Vogelhaus,
es ist ganz nahe hier!
Viel Vögel flattern ein und aus,
bekommen frei Quartier,
drum lad' ich Sie ganz höflich ein,
Verehrtester, ich bitt',
dort auch mein werter Gast zu sein,
dort auch mein werter Gast zu sein,
Verehrtester, ich bitt',
spazier'n S' gefälligst mit!
ALFRED
Wenn es sein muß,
so will ich geh'n!
ROSALINDE
Doch schweigen Sie!
ALFRED
Es soll gescheh'n!
FRANK
Nun fort, schnell fort!
ALFRED
Gleich will ich mich bequemen,
doch erst noch Abschied nehmen!
ROSALINDE
Genug, mein Herr, es ist schon gut!
ALFRED
Ein Küßchen noch, dann hab' ich Mut!
ROSALINDE
Nein, nein, genug, wir müssen scheiden!
ALFRED
Ein Küßchen gibt Trost mir im Leiden!
FRANK
Mein Herr, genug der Zärtlichkeit,
wir kommen nicht zu Ende heut',
genug, es ist jetzt Zeit!
ALLE DREI
Sein (Mein) schönes großes Vogelhaus,
es ist ganz nahe hier;
viel Vögel flattern ein und aus
und finden frei Quartier.
Er ladet Sie (mich) ganz höflich ein,
dort auch sein (mein) Gast zu sein;
drum bitt' ich, fügen Sie sich drein,
es muß ja leider sein!
ALFRED
Das wird wohl vorderhand
FRANK
Ich bitte, fügen Sie sich drein,
ROSALINDE
Ja, ja leider,
ALFRED
das allerbeste sein!
FRANK
Es muss geschieden sein!
ROSALINDE
Ach leider muss es sein!
ALFRED
leider muss es sein!
ROSALINDE
leider muss es sein!
FRANK
ohne Umständ' nun, es muß sein,
ROSALINDE
Nun wohlan, das Schicksal will,
daß heut' allein ich soll soupieren;
ALFRED
Ach, wie gern möcht'
hier mit Ihnen ich soupieren!
FRANK
Kommen Sie, ich
selbst will heute auch soupieren,
ROSALINDE
ja, ich füge willig mich darein.
ALFRED
Aber wie mir scheint, soll's nicht sein!
FRANK
fügen Sie sich endlich doch darein!
ROSALINDE
Warum soll man noch vergeblich
streiten hier und lamentieren?
ALFRED
Ach, das Schicksal will mich
grausam schon von hinnen führen,
FRANK
Lassen Sie sich
ohne Umständ' arretieren,
ROSALINDE
Fort, nur fort, es muß, es muß ja sein!
ALFRED
fort, denn fort, es muß ja sein! es muß ja
FRANK
fort, nun fort, es muß sein, es muß sein, ja,
ROSALINDE
Ach! es muß ja sein! Ach!
ALFRED
sein! es muß ja sein, ja sein!
FRANK
ja, es muß sein, drum fort!